Post- und Verkehrswesen

1. Post

Nachfolgender Beitrag wurde unverändert entnommen:
"Das Buch von der Weltpost - Entwickelung und Wirken der Post und Telegraphie im Weltverkehr"
Verlag von Hermann J. Meidinger, Berlin 1885

Als die Ritter des Ordens inmitten der heidnischen Bevölkerung in Preußen und Litauen festen Fuß gefasst und im Jahre 1309 ihren Hauptsitz in der herrlichen Marienburg aufgeschlagen hatten, waren sie anfangs, gleich den übrigen geistlichen und weltlichen Orden zur Aufrechterhaltung der Verbindung mit ihren Zweigniederlassungen, mit den Bistümern und wohl selbst mit dem heiligen Stuhl in Rom auf die wandernden Mönche und Klosterboten angewiesen, wenn nicht in besonders dringenden oder wichtigen Fällen die Ritter selbst die Botschaft übermittelten oder ihre Knechte mit der Überbringung derselben betrauten. Die rasche Ausdehnung des Ordensgebietes sowie die Notwendigkeit eines schnellen und sicheren Verkehrs zwischen dem Hauptordenshause und den Komtureien und den dem Orden angehörenden Burgen, Städten und Ortschaften führten dazu dass die umsichtige und tatkräftige Ordensleitung eigene Posteinrichtungen schuf.

Die ersten Nachrichten hierüber, wie sie zerstreut in den Archiven zu finden sind rühren aus dem Jahre 1380 her. Am Hauptsitze zu Marienburg leitete einer der "Ordensgebietiger", in den übrigen Ordenshäusern ein dazu bestimmter Ordensbeamter die Versendung sowie die Weiterbeförderung oder Abnahme der Briefschaften und anderen Gegenstände, die Beaufsichtigung des Personals und der zum Beförderungsdienst unterhaltenen Pferdeställe.

Der abgesonderte Raum in welchem die Besorgung dieser Amtsgeschäfte vor sich ging, hieß der "Bryffstall", wobei man den "Stall" nicht im heutigen Sinne des Wortes, sondern nach der damaligen Ausdrucksweise als Gemach oder Zimmer zu deuten hat, also gleichbedeutend mit einem Postamt im heutigen Sprachgebrauch. Von dieser Stelle aus fertigte der Ordenspostmeister die "Bryffjongen" (Briefjungen, Postillone) ab, die aus der ersten Klasse der berittenen Ordensdiener entnommen waren ("Jongen" etwa entsprechend dem späteren "Junker" zum Unterschied von den gewöhnlichen Knechten). Diese Briefjungen waren gleich den deutschen Postboten vergangener Jahrzehnte mit blauer Uniform versehen, wie aus einer alten Rechnung ersichtlich ist, die unter den Ausgaben für die Ordenspost ausdrücklich aufführt: XVI halb bloe Engelisch laken vor de Bryffjongen" (sechzehneinhalb Ellen blaues englisches Tuch für die Briefjungen).

Die Briefe wurden, nachdem sie vom Ordenspostmeister nach Nummer, Adresse und Zeit der Abgabe in ein Buch eingetragen worden waren, ihnen in einem "Bryffsack", einem linnenen zum Umhängen, übergeben. Der Briefjunge brachte seinen Briefsack bis zum nächsten Ordenshause das einen Briefstall besaß und übergab sie einem anderen Briefjungen, der sie auf einem frischen Pferde weiterbeförderte. In jedem unterwegs berührten Briefstall, an welchem eine Ablösung stattfand, wurden die Briefe von neuem eingetragen und zugleich auf dem dem Briefjungen übergebenen Zettel vermerkt. Die für den Postdienst bestimmten Pferde hießen "Bryffswoyken" (Swoyke=Pferd), zum Unterschied von den übrigen Reit- oder Arbeitspferden.

Neben dieser postmäßigen Beförderung bestand noch der Beförderungsdienst der "Wythinge" für besonders wichtige und eilige Sachen, etwa vergleichbar dem späteren Estaffettendienst. Die Wythinge waren die freien Grundbesitzer aus der dänischen Zeit, welche gleich beim ersten Auf-treten des Ordens im Nordosten Deutschlands demselben sich angeschlossen hatten und wegen ihrer Treue und Zuverlässigkeit vom Orden reichlich mit Lehen bedacht worden waren. Diese erprobten Eigenschaften sowie der Umstand, dass ihre Wohnsitze in ziemlich regelmäßigen Abständen über das ganze Land verstreut waren, machten sie zur Unterhaltung von Verbindungen für eilige Fälle besonders geeignet. Sie mussten "dem Willen der Hochmeister mit ihren Pferden wartend sein" oder, mit anderen Worten hatten sie die Verpflichtung sofort für Weiterbeförderung der ihnen außerhalb des gewöhnlichen Postdienstes anvertrauten Briefschaften zu sorgen.

Ihre ganze Stellung zum Orden sowie ihre Beziehungen zu den Posteinrichtungen desselben mögen nicht selten dazu geführt haben, dass ihnen die Leitung eines "Bryffstalls" anvertraut wurde, woraus bei einigen Schriftstellern die irrige Meinung entstanden ist, unter dem Begriff "Wythinge" seien überhaupt die Vorsteher der Briefställe zu verstehen.

Die wohleingerichtete Postanstalt des Deutschen Ordens erstreckte sich in der Hauptsache nur auf einen Teil des deutschen Gebietes. Die Beförderung von Nachrichten nach dem Auslande bot dieselben Schwierigkeiten und war mit denselben Unkosten verknüpft wie der Korrespondenzverkehr der damaligen Zeit im Allgemeinen. Im Regierungsarchiv zu Königsberg i.Pr. aufgefundene Rechnungen geben hierüber interessante Aufschlüsse. So kostete beispielsweise die Überbringung eines Briefes durch einen besonderen Boten von Marien-burg nach Rom 10 Mark (1Mark = 233 Gramm Silber), wogegen ein Mönch, der mit einem Brief des Hochmeisters denselben Botenweg zurücklegte, nur eine Mark erhielt, weil er in der glücklichen Lage war, Zehrung und Unterkunft auf der ganzen Reise sich unentgeltlich zu verschaffen.

Wie lange die Posten des Deutschen Ordens bestanden haben, lässt sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Wahrscheinlich hat aber jeder geregelte Postenlauf entweder sofort mit der Aufhebung des Ordens im Jahre 1525 oder sehr bald nachher aufgehört, denn es finden sich nach jenem Zeitpunkte nirgends mehr Anzeichen, dass die Rechtsnachfolger des Ordens auch nur Bruchstücke jener mit der gesamten Organisation des Ordens so innig verbundenen Anstalt zu erhalten vermocht hätten.

2. Verkehrswege

Voraussetzung für den Aufschwung von Wirtschaft und Handel ist eine fünktionierende Verkehrsinfrastruktur. Die natürlichen Gegebenheiten Preußens mit seinen umfangreichen Gewässern und Sumpfgebieten ließen den Bau fester Straßen meistens nicht zu. Infolge dessen dienten in erster Linie die Flüsse dem Warentranport.

Zur Erleichterung des Weges über Land wurden jedoch zahlreiche Brücken gebaut, an den großen Strömen jedoch vorzugsweise Fährstationen. Die gewaltigsten Brücken ließ der Orden bei Dirschau über die Weichsel und bei Marienburg über die Nogat errichten. Damit war eine feste durchgehende Landverbindung zwischen dem Reich und dem östlichen Ordensgebiet über dessen natürliches Haupthindernis, die untere Weichsel und deren Delta sichergestellt.

Eines der größten Bauvorhaben des Ordens begann 1395 mit der Schaffung eines schiffbaren Kanals zwischen Königsberg am Frischen und Labiau am Kurischen Haff, den sogenannten Deimegraben. Damit war ab ungefähr 1400 die Möglichkeit gegeben, zu Schiff von Danzig durchs Frische Haff über Königsberg, den Deimegraben, das Kurische Haff, die Memel aufwärts bis nach Kaunas/Kowno zu gelangen ohne sich den Fährnissen der Ostsee aussetzen zu müssen.