Handel und Geldwesen

Zentren des Handel waren vor allem die durch den Orden nach kulmischem und lübischem Recht gegründeten Städte sowie das reiche und mächtige Danzig. Sie waren fast alle Mitglieder der Hanse, was einen zusätzlichen positiven Schub für ihre Prosperität schuf, wie überhaupt das wirkungsvolle Zusammenspiel von Ordensstaat und Hanse die Grundlage für die deutsche Nord- und Ostseeherrschaft des 13. - 15. Jahrhunderts bildeten.

Hauptexportartikel des Ordensstaates waren Getreide, Holz und dessen Produkte. Importiert werden vor allem Salz, Gewürze und Wein. Aber auch Textilien mussten eingeführt werden, so weißes flandrisches Tuch für die Ordensbrüder und blaues englisches für die Postboten. Durch die gute Verkehrsanbindung fungierte Preußen aber auch als Drehscheibe für den lukrativen Zwischenhandel von West- nach Osteuropa und umgekehrt. So lieferte der Westen hauptsächlich Salz, Tuch, Wein, Gewürze ins Ordensland, welche die preußischen Kaufleute gewinnbringend nach Osten weiter vermittelten. Umgekehrt kamen aus Osteuropa vor allem Honig, Wachs, Pelze und Saffran. Aus der Levante kamen Seide Gold und Kupfer.

Eine Sonderrolle als Exportschlager hatte der Bernstein. Auf diesen hatte der Orden nämlich das alleinige Monopol. War der Handel mit dem begehrten Material auch schon lange vorher üblich, so kam er doch erst unter der Ordensherrschaft richtig in Schwung. Eigens dafür wurde sogar das Amt des Bernsteinvogtes mit Sitz in Lochstädt geschaffen. Beim ihm musste jedes gefundene Stück gegen entsprechendes Entgelt abgegeben werden. Auf Zuwiderhandlungen stand offiziell sogar die Todesstrafe.

Währung

Durch die Goldbulle von Rimini mit dem Münzregal versehen, gab der Orden seit 1238 eigenes Geld zunächst nur in Form von silbernen Hohlpfennigen (Brakteaten) heraus. Daneben galten Kölner Pfennige, Böhmische Groschen und Ungarische Gulden.
Der im 14. Jh. stark ansteigende Eigenhandel brachte jedoch die Notwendigkeit der Emission höherer Münzwerte mit sich. Dies führte in der zweiten Hälfte des 14. Jh unter Winrich von Kniprode zu einer "Währungsreform". Von nun an galt:

1 preußische Mark = 60 Schillinge = 720 Pfennige

Folgende Münzen wurden geprägt:

1 Halbschoter = 16 Pfennige (2 H. = 1 Skot, d. i. 1/24 Kulmische Mark)
1 Schilling = 12 Pfennige
1 Vierchen = 4 Pfennige
1 Pfennig
Ende des 15. Jh. gesellte sich noch der Groschen dazu.

Energisch trat der Orden auf seinem Territorium dem Zinswucher entgegen. Der allgemein übliche Zinssatz für Darlehen konnte von durchschnittlich >12% auf 8,3% gedrückt werden. Dies führte dazu, dass das Ordensgebiet für Bankiers und Geldwechsler kein so anziehendes Territorium wie etwa das benachbarte Polen war, dessen Feudalherren zur selben Zeit in ganz Europa Finanzfachleute mit nichtchristlichem Hintergrund anwarben, um mit deren Hilfe ihre eigenen Untertanen besser ausplündern zu können.

Halbschoter Schilling Vierchen Groschen
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