Johanniter-/Malteserorden

Hospitaliter, Ritterlicher Orden vom Spital Sankt Johannis zu Jerusalem
Tracht: Schwarzes Chorhemd der Benediktiner und ein ebensolcher Mantel mit einem weißen Kreuz. Ab dem 13. Jahrhundert trug man an Stelle des schwarzen, ein rotes Untergewand mit weißem Kreuz auf der Brust.
Schutzpatron: ursprünglich der heilige Johannes von Alexandria, ehe er später durch den populäreren Johannes den Täufer ersetzt wurde.

Der zweitälteste Ritterorden und drittältester geistlicher Orden der Welt überhaupt. Die Anerkennung durch Papst Paschalis II. erfolgte bereits im Jahre 1113. Hervorgegangen war der Orden aus einem Pilgerhospiz unter der Leitung eines Benediktiners aus Amalfi namens Bruder Gerhard, das schon vor der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer bestand.

Organisatorisch zerfiel der Orden in Ritter, Kapläne und dienende Brüder (Sergeanten). An der Spitze stand ein Großmeister, dem das Generalkapitel und die aus acht Großwürdenträgern bestehende Ordensregierung zur Seite stand.
Bevor Ritter in den Orden aufgenommen wurden, hatten sie die sogenannte Ahnenprobe zu erbringen. Dies war ein Nachweis und Verfahren zum Beweis legitimer adliger Abkunft in männlicher und weiblicher Linie (für mehrere Generationen) eines Probanden zwecks Erlangung weltlicher oder geistlicher Würden.

Mittelpunkt der Organisation war das große Hospital in Jerusalem, das nach dem Vorbilde des Pantokratorhospials in Konstantinopel gebaut war. Das Hospital der war eine Einrichtung, die sich im 12. Jahrhundert sehen lassen konnte. Um 1170 hatte es eine Kapazität von 2 000 Betten, die bereits nach Krankheiten in verschiedene Stationen aufgeteilt waren. Vom großen Hospital aus wurden Arme materiell unterstützt. Es gab dreimal wöchentlich warme Mahlzeiten und Kranke und Verwundete fanden unentgeltliche Aufnahme. Um die Patienten kümmerten sich vier Ärzte. Ein dem Hospital angeschlossenes Findelhaus diente der Aufnahme ausgesetzter Säuglinge. Außerdem gab es eine Schwangerenstation, in der werdende Mütter bis zur Entbindung Aufnahme fanden. Weitere Hospize und Spitäler erwarben die Johanniter durch Kauf oder Schenkung.

Der Orden sollte ursprünglich nur der Krankenpflege dienen und Pilger schützen, wurde aber bereits ab 1137 zum bewaffneten Grenz- und Pilgerschutz eingesetzt und damit zum geistlichen Ritterorden im eigentlichen Sinne. Wie die Templer nahm der Orden einen raschen Aufschwung, breitete sich im ganzen Mittelmeerraum und erwarb reichen Besitz. Zusammen mit den Templern zur Hauptstütze der Kreuzfahrerstaaten geworden, konkurrierte er doch mit diesem, was oft zu heftigen Streitigkeiten zwischen beiden Organisationen führte, die der Sache sehr abträglich waren. Eine stärker werdende militärische Ausrichtung hatte aber auch zur Folge, dass immer mehr Festungen und Burgen errichtet oder erworben wurden, darunter die gewaltigste Festung im Morgenland, der Krak des Chevaliers. Nach dem Verlust Jerusalems residierte der Großmeister der Johanniter in Margat unweit dieser Festung. In diesem Territorium herrschten sie faktisch souverän. Lediglich das weitere Vordringen der Mameluken hinderte sie an der Errichtung eines eigenen Staates.

Eine große Rolle spielte der Orden im Mittelmeer bei der Abwehr der Türken zunächst ab 1309 auf Rhodos und später ab 1530 auf Malta.
Auf beiden Inseln errichteten die Johanniter gewaltige Befestigungsanlagen, die jeglicher türkischen Aggression trotzten (1522, 1565). Erst im Jahre 1798 beseitigte Napoleon I. hier den Johanniterstaat endgültig nachdem ihm der Großmeister Ferdinand von Hompesch die Insel kampflos übergeben hatte.
Seither in Rom ansässig widmet sich der Malteserorden heute überwiegend karitativen Aufgaben. In Deutschland besteht unter der Bezeichnung "Johanniter" ein evangelischer Ordenszweig. Von der Kirche wird der Orden als unabhängiger Staat betrachtet. Der Großmeister hat kirchenrechtlich Kardinalsrang.