Die geistlichen Ritterorden

Ordensritter in der Schlacht. Aus der Apokalypse des Heinrich von Hesler 1322

Die Ritterorden können wohl als das ureigenste Produkt des Zeitalters der Kreuzzüge gelten.
Die Verbindung von mittelalterlich-westeuropäischer Aristokratie und Hierarchie stellte sich in ihnen am vollkommensten dar.

Die Angehörigen dieser Korporationen waren im eigentlichen Sinne Mönche, denn sie haben die drei Gelübde Keuschheit, Armut und Gehorsam abgelegt. Und wie die herkömmlichen Mönchsorden führen auch sie ein streng geregeltes Leben (meist nach der Zisterzienser- oder der Benediktinerregel) mit gemeinsamem Gebet, Fasten und anderen geistlichen Übungen. Jedoch im Unterschiede zu einer monastischen Gemeinschaft kommt bei einem Ritterbruder noch ein viertes Gelübde zum Tragen: Nämlich das des bewaffneten Kampfes gegen die Feinde des christlichen Glaubens.

Ihre Aufgabe bestand im bewaffneten Schutz der Kreuzfahrerstaaten. Auf Grund der strengen Disziplin, der die gemeinsam auf Burgen lebenden, von Familienbindungen weitgehend gelösten Ordensritter unterlagen, stellten sie zunächst ein sehr wirksames militärisches Potential dar.

Fast alle Ritterorden waren dem Papst direkt unterstellt und mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, die sie aus der lokalen Kirchenorganisation ausklammerten und außerdem weitgehend unabhängig vom jeweiligen Landesfürsten machten. Sie waren der Rechtsprechung der Bischöfe entzogen und ihre Kirchen wurden von einem eigenen Klerus versorgt. Des weiteren brauchten sie keine Abgaben zu leisten und päpstliche Anordnungen betrafen sie nur soweit sie den Orden ausdrücklich erwähnten. Dies zeigt, dass sie seitens der Kurie nicht nur als Mittel der Expansion im Orient, sondern als allgemein brauchbares Instrument des Heiligen Krieges, als Kern eines stehenden Heeres der Papstkirche gedacht waren.
Aus den meisten geistlichen Ritterorden entwickelten sich im Spätmittelalter weltliche Adelsgemeinschaften, die nicht mehr mit der Kirche, sondern mit dem jeweiligen Landesherren verbunden waren. So wurden z.B. die drei spanischen Ritterorden Ende des 15. Jahrhunderts direkt der Krone unterstellt.

Der Ordensbesitz wuchs im 13. Jahrhundert stark an: Er reichte von geschlossenen Grundherrschaften und Stadthäusern bis hin zu einzelnen Mühlen. Güter und Niederlassungen waren in Ordensprovinzen (Zungen, Balleien) unterteilt, an deren Spitze Großpräzeptoren, Baillis oder Landkomture standen. Diese wiederum untergliederten sich in von Ordenshäusern verwaltete Bezirke (Komtureien)die von einem Präzeptor, Prior oder Komtur geleitet wurden. Den Provinzialgebietigern standen Kapitel zur Seite, in denen die führenden Ordensritter bzw. -geistlichen vertreten waren. Die Hauptaufgabe der Ordensprovinzen sollte ursprünglich in der Unterstützung des Heiligen Landes mit Geld, Material und Menschen sein, doch bald versuchten sie eine eigenständige Politik zu betreiben. Diesen Zentrifugalkräften wirkten die Großmeister durch die Entsendung von Visitatoren entgegen, was seinerseits wieder zu vielfältigen Konflikten mit den Baillis führte.

Mittelpunkte der Ritterorden waren die großen Burgen. Hier residierten nach dem Fall Jerusalems die Groß- bzw. Hochmeister (Pilgerschloss --> Templer, Margat --> Johanniter, Starkenberg/Montfort --> Deutscher Orden). Trotz ihrer bedeutenden Rolle blieb die Zahl der Ritter immer klein und kam normalerweise kaum über 450 pro Orden hinaus. Dies erklärt sich schon allein aus den gewaltigen Anforderungen, die an ein Vollmitglied gestellt wurden. Nach besonders verlustreichen Kämpfen blieben so nur zahlenmäßig schwache Gruppen zurück, die erst wieder durch Zuzug mühselig aufgefüllt werden mussten. Als Beispiel sind hier die Verluste der drei großen Orden in der Schlacht bei Gaza 1244 angeführt:

Orden Verluste Überlebende
Templer 312 36
Johanniter 325 26
Deutscher Orden 397 3

An dieser Stelle sei ein Überblick über die einzelnen im Mittelalter entstandenen Ritterorden sowie ein kurzer Abriss von deren jeweiliger Geschichte gegeben. Die Aufzählung sowie die Einzeldarstellungen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und werden je nach neuestem Erkenntnisstand aktualisiert.


Templerorden

Johanniterorden

Deutscher Orden

Orden vom Hl. Lazarus

Orden von Aviz

Orden von Calatrava

Orden von Santiago

Orden von Alcantara

Orden v. Flügel d. hl. Michael

Orden von Montjoié

Orden von Montesa

Christusorden

Schwertbrüderorden

Orden von Dobrin