Entstehung und erste Jahrzehnte des Deutschen Ordens

Kaiser Friedrich I. als Kreuzfahrer. Miniatur eines bayrischen Geistlichen von 1188

Die Katastrophe von Hattin und die Eroberung Jerusalems durch die Islamisten machten in Europa dem Streit zwischen Kaiser und Papst ein sofortiges Ende. Der Kreuzzugsgedanke flammte neu auf und alle Blicke richteten sich auf den ersten Fürsten der Christenheit, den deutschen König und römischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa. So kam es zum 3.KREUZZUG (1189-92) auf welchem Kaiser Friedrich zwar umkam, der jedoch nach der Rückeroberung Akkons mit einem Friedensschluss zwischen Saladin und Richard Löwenherz endete, der den Christen die Herrschaft über die Küstengebiete garantierte sowie freien Zugang zu den heiligen Stätten.

Für unsere Betrachtung rückt nunmehr die Belagerung Akkons in den Mittelpunkt. Die kleine Streitmacht der einheimischen Christen wurde durch gelegentliche Landungen von Kreuzfahrern aus allen westeuropäischen Ländern verstärkt, vor allem im Herbst 1189 durch niederdeutsche Kontingente unter Führung des Grafen von Holstein. Sie machte aber, durch Saladin bedroht und von innerem Hader gehemmt, keinerlei Fortschritte. Alle Übel, an denen die Kreuzzugsbewegung von Anfang an krankte; - das Gelegentliche, Regellose, Zufällige der Mittel, der Wechsel zwischen drückendem Mangel und verführerischem Überfluss, das Hin- und Herschwanken zwischen tollkühnem Wagemut, höchster Begeisterung und gänzlicher Verzagtheit, mönchischer Askese neben gemeiner Liederlichkeit - dies alles konzentrierte sich in diesem Lager. Die Hoffnung auf einheitliche Führung, welche vor allem not getan hätte, verging mit dem Tode des Kaisers. Der Mangel stieg auf eine bedenkliche Höhe und erzeugte verheerende Krankheiten.

Von all diesem Elend erschüttert gründete eine Pilgergruppe aus Bremen und Lübeck im Lager ein Feldhospital um, besonders nach Eintreffen der Reste des deutschen Heeres, die Lage der gepeinigten Kreuzfahrer zu lindern. Ein Magister Sibrand wurde Leiter des aus Schiffssegeln errichteten Zeltlagers. Nach dem Fall Akkons erhielt die Gemeinschaft ein Stück Land in der Nähe des Nikolaitores, wo rasch ein Spital, eine Kirche und Wohngebäude entstanden. Schon ein Jahr später erfolgte die päpstliche Bestätigung für die neue Krankenpflegegemeinschaft, die den offiziellen Titel "Brüder vom Spital Sankt Mariens des deutschen Hauses in Jerusalem" führte. Durch Schenkungen von Gütern in und um Akkon, Tyros, Askalon, in Prag und Troppau sowie in Apulien und auf Sizilien nahm die Spitalbruderschaft einen raschen Aufschwung. Die ständig präsente islamische Bedrohung hatte zur Folge, dass ihr fast gleichzeitig zunehmend militärische Hilfsleistungen bei der Verteidigung Akkons erwuchsen.

Ordenskreuz

Diese Entwicklung mündete 1198 zur Erhebung der Spitalbrüder in einen Ritterorden. Als Tracht wurde endgültig 1221 der weiße Mantel mit schwarzem Kreuz festgelegt. Fortdauernde Auseinandersetzungen und Eifersüchteleien mit den beiden schon fest etablierten Ritterorden verhinderten jedoch weitgehend eine Entfaltung des Ordens im heiligen Land. Zwar errichtete er mit Starkenberg (Montfort) in Obergaliläa in mächtiges Bollwerk, das von 1230-1271 sogar Hochmeistersitz wurde. Auch waren beispielsweise bei der Krönung Kaiser Friedrichs II. zum König von Jerusalem nur Ritter des Deutschen Ordens als Leibgarde zugelassen. Ihr Hauptaugenmerk richteten die Ordensbrüder jedoch schon frühzeitig auf Betätigungsfelder außerhalb der Kreuzfahrerstaaten.

Hermann von Salza

Hauptinitiator dieser Entwicklung war der an Charakter und Intellekt die meisten seiner Zeitgenossen überragende Hochmeister Hermann von Salza. In der langen Zeit seiner Tätigkeit für den Orden gelang es ihm dank seiner heraussragenden Fähigkeiten als Diplomat und ehrlichem Makler im Konflikt zwischen Kaiser und Papst die Stellung des Deutschen Ordens durch mannigfache Privilegien und Zugeständnisse von beiden Seiten erheblich zu verstärken. Die Zahl neugegründeter Kommenden wuchs vor allem im Heiligen Römischen Reich sprunghaft, aber auch in Italien, Griechenland und Syrien. Bald wurden die Kommenden in Balleien (Ordensprovinzen) zusammengefasst. In den meisten dieser Gründungen wirkten die Deutschordensbrüder lediglich als Hospitalorden. Als Ritterorden traten sie lediglich im Orient und später im Baltikum in Erscheinung.

Im Jahre 1211 wurde der Orden in das von den Kumanen verheerte Ungarn zu Hilfe gerufen. Als Gegenleistung erhielt er das im Südosten Siebenbürgens gelegene, weitestgehend verwüstete und menschenleere Burzenland geschenkt und mit sämtlichen Privilegien ausgestattet. Nach erfolgter Niederlage und Vertreibung dieses asiatischen Nomadenvolkes begann er hier in dem ihm verliehenen Territorium mit dessen planmäßiger Kolonisierung durch deutsche Bauernsiedler (die allerdings nicht aus dem Reich kamen, sondern zum Verdruss der dortigen Gewalten aus anderen Teilen Ungarns abgeworben wurden). Doch eben hier musste er auch seinen ersten Rückschlag einstecken. Die Bestrebungen des Ordens nach einem kompakten und weitgehend autonomen Staatsgebilde im neu gewonnenen Land gerieten in Konflikt mit der ungarischen Krone und vor allem dem Bischof von Siebenbürgen. 1225 ließ König Andreas ein Heer ins wieder besiedelte Burzenland einrücken, vertrieb die Ordensritter und widerrief sämtliche an sie ergangene Schenkungen und Privilegien. Der erste Versuch des Ordens in Osteuropa Fuß zu fassen endete so mit einem Fiasko.