Der fünfte Kreuzzug 1227 - 1229

Dieser Kreuzzug - der fünfte nach der herkömmlichen Zählung - von einem Exkommunizierten unternommen und mit der staatsmännischen Ruhe und Sicherheit durchgeführt, die einen Friedrich II. auszeichnet, unterschied sich von allen übrigen dadurch, dass in ihm nicht blinder Glaubenseifer und wilde Tapferkeit, sondern Vernunft und Staatskunst die Hand führte.

Das Hauptheer war bereits Anfang September 1227 unter dem Herzog von Limburg und Hochmeister Hermann von Salza von Brundusium aus in See gestochen. Der Kaiser, der ja wegen Krankheit schon am 11. September wieder umkehren musste und dafür vom Papst exkommuniziert wurde, folgte nach seiner Genesung mit einer kleineren Streitmacht Ende Juni 1228. Am 21. Juli in Zypern angekommen stellte er zunächst die die kaiserliche Lehnshoheit gegenüber dem dortigen Bailli Jean d'Ibelin wieder her. Am 7. September landete der Kaiser in Akkon und wurde von der Bevölkerung jubelnd empfangen.
Allerdings trug ihm der päpstliche Bannstrahl die Gegnerschaft des Klerus mit dem Patriarchen von Jerusalem an der Spitze sowie der Templer und Johanniter ein. Diese ließen die gesamte Zeit von Friedrichs Aufenthalt nichts unversucht, ihn und seine Mission zu behindern und die Stimmung gegen ihn zu kehren. Als einzige zuverlässige Stütze erwiesen sich für den Kaiser der Deutsche Orden und dessen Hochmeister Hermann von Salza.

Der Kaiser benützte den Konflikt zwischen den Sultanen von Kairo und Damaskus im Kampf um die Vorrangstellung im Ayubidenreich um mit ersterem, mit welchem er schon seit längerem in freundlichem Briefverkehr stand, zu einem Abkommen zu gelangen und zwar ohne Krieg. Der Vertrag, der hinsichtlich der heiligen Stätten alles enthielt, was für Christen von wirklichem Wert ist, wurde am 18. Februar 1229 in Jaffa unterzeichnet und lautete in etwa:

1. - Sultan Al Kamil gibt alle christlichen Gefangenen zurück.

2. - Jerusalem wird den Christen zu vollem Besitz übergeben, bleibt aber unbefestigt.

3. - In Jerusalem verbleiben der Tempelberg und die Al Aksa-Moschee den Muslimen.

4. - Die Straße von Jaffa nach Jerusalem samt daran liegenden Dörfern wird christl. Besitz.

5. - Die heiligen Stätten Bethlehem und Nazareth werden christlicher Besitz.

Für den Kaiser brachte die Inbesitznahme Jerusalems den lang ersehnten politischen Triumph. Ohne einen Schwertstreich hatte er zuwege gebracht, was ein riesige Aufgebote an militärischer Macht aus ganz Europa seit 1189 nicht vermochten.
Die päpstliche Partei aber, wiewohl sie sich die Früchte des Vertrages schmecken ließ, war unzufrieden, dass ein Gebannter und "Ungläubiger" (denn schon wurde auch dieser Vorwurf gegen ihn laut) ihn zustande gebracht hatte. Der Patriarch von Jerusalem krönte die Phalanx aus Neid und Missgunst, indem er die heiligen Stätten selbst mit dem Interdikt belegte.

Am 17. März 1229 zog Friedrich freudig begrüßt in Jerusalem ein, wo er sich selbst einen Tag später zum König krönte, da der Patriarch seine Mitwirkung versagte, obwohl der Kaiser durch seine Heirat mit Isabella, Tochter Johanns von Brienne, ohnehin schon rechtmäßiger Herrscher des Landes war. Es ist kennzeichnend für aufgeheizte Stimmung in der politisch führenden Schicht des Landes, dass beim Krönungsakt als Ehren- und Leibgarde des Kaisers nur Deutschordensritter zugelassen waren.