Der dritte Kreuzzug 1188 - 1192

Dieser Kreuzzug unterschied sich in gewissen Dingen von den beiden vorhergehenden.
Zum einen trat das geistliche, insbesondere das mönchische Element zurück. Gleiches betraf das volkstümlich-plebejische Element, denn es wurde von den Streitern eine Art Teilnahmegebühr erhoben, nämlich der Nachweis von 3 Mark Silber Reisegeld (1 Mark sind ca. 233 g). Dadurch war das Gesindel, welches ersten beiden Züge beschwert und zum großen Teil verdorben hatte, ausgeschlossen.

Auch sonst wurden die Vorbereitungen mit großer Umsicht getroffen: Um die freie Passage bis Syrien zu gewährleisten, gingen Gesandtschaften ab an den König von Ungarn, den oströmischen Kaiser und den Seldschukensultan Kilidsch Arslan. Denn letzterer, obschon Moslem, sah die wachsende Macht Saladins höchst ungern.
Es wurde sogar Saladin selbst kontaktiert, welchem man, nachdem er eine Art Ultimatum abgelehnt hatte, förmlich den Krieg erklärte.
Man sieht, der Kontakt der rohen und ungehobelten "Franken" mit den höherstehenden orientalischen Kulturen hatte schon erste Wirkung gezeigt.

Sammelpunkt der Massen bewaffneter Pilger war Regensburg und Ende April 1189 setzte sich auf der Donaustraße ein Heer in Marsch wie man es bis dahin nicht gesehen hatte: Zigtausend Ritter, wohlbewaffnet, wohlorganisiert, wohlgeführt.
Die Anfänge waren gut. In Ungarn hatte König Bela vertragsgemäß für die Verpflegung Sorge getragen und das Heer hielt gute Disziplin.
Schwerer wurde das Unternehmen als man bei Belgrad die oströmische Grenze überschritt: Das Reich hatte gerade schwere innere Wirren hinter sich weil 1185 mit Kaiser Andronikos der letzte Herrscher des Hauses der Komnenen gestürzt und die neue Dynastie der Angeloi aus Kleinasien an die Macht gekommen war. Isaak Angelos, der neue Kaiser zog ein Bündnis mit Saladin gegen Kilidsch Arslan, der für ihn der gefährlichere Gegner war, vor. Hinzu kam die grundsätzlich feindselige Einstellung der Griechen gegenüber den katholischen "Franken".

Als Kaiser Isaak nun dem Friedrich Barbarossa die Anerkennung als Kaiser verweigerte und gar dessen Gesandte gefangen setzen ließ, sah der sich gezwungen, das eigentlich verbündete Land als feindliches zu behandeln. Erst als der Sturz des oströmischen Kaisertums drohte, lenkte Isaak im letzten Augenblick ein: Kraft eines durch Geiseln verbürgten Vertrages verbrachte das Heer den Winter in Adrianopel und wurde im März 1190 auf griechischen Schiffen über den Hellespont geschafft. Hier begann der schwierigste Teil des Marsches. In Kleinasien hatte sich nämlich der politische Wind gedreht, als nach einem plötzlichen Thronwechsel der Nachfolger Kilidsch Arslans sich mit Saladin gegen die heranziehenden Deutschen verbunden hatte. Selten ist ein verwegenerer Marsch gemacht worden im Kampf mit den Hindernissen der Natur, den schlimmen Folgen mangelhafter und unregelmäßiger Verpflegung und zahlreichen wohlgerüsteten Feinden (s.a. Ludwig Uhland "Die schwäbische Kunde" :-)) ).

Das Verdienst daran gebührt größtenteils dem Kaiser selbst, dessen persönliche Tapferkeit, Umsicht und ruhige Energie sich hier aufs Glänzendste bewährte. Der größte Erfolg war dem Zug mit der Einnahme Ikonions beschieden, der Hauptstadt der Rum-Seldschuken. Mit der glücklichen Überquerung des Taurusgebirges schien bereits die letzte Gefahr überwunden. Man befand sich schon in Kilikien wieder auf christlichem Boden als das Heer im Juni 1190 das größte denkbare Unglück traf: Den Kaiser ereilte ein tödlicher Herzanfall als er partout mit seinen siebzig Jahren in voller Rüstung in den eiskalten Bergfluss Saleph springen musste, um dort, vom Marsch erhitzt, ein kühlendes Bad zu nehmen.

Schockiert und wie eine Herde ohne Hirten begann das Heer sich aufzulösen. Immerhin gelang es Herzog Friedrich von Schwaben noch eine größere Streitmacht bis nach Antiochia zu bringen, wo er die Leiche seines Vaters in der Peterskirche beisetzen ließ. Damit endete im Wesentlichen der erste, der deutsche Abschnitt dieses dritten Kreuzzug ohne befriedigenden Ausgang.

Der zweite Abschnitt besteht aus dem "gemeinsamen" Zug des französischen Königs Philipp II. August und des neuen englischen Königs Richard I. Löwenherz. Beider Heer sammelte sich seit Herbst 1190 in Messina. Auf Grund des wilden Wesens Richards segelte Philipp im März 1191 allein ab. Der Engländer folgte, wandte sich jedoch zuerst nach dem christlichen, oströmischen Zypern, das von einem kaiserlichen Prinzen aus dem Hause der Komnenen beherrscht wurde. Nach Eroberung der Insel erschien dann endlich auch er im Juni 1191 im Feldlager vor Akkon.

Trotz des permanenten Streites zwischen beiden Königen und Schwächung der Truppe durch Mangel und Seuchen (Herzog Friedrich von Schwaben wurde, kaum war er mit dem Rest des deutschen Heeres vor der Stadt eingetroffen, von einer solchen dahingerafft) gelang im Sommer 1191 der Sturm auf die Stadt. Nach erneutem schweren Streit mit Richard benutzte Philipp die gute Gelegenheit zur Heimkehr. Damit oblag es von nun an allein dem Engländer, Jerusalem zurück zu erobern und die Pilger zum letzten Sieg zu führen. Zwar war er unzweifelhaft der tapferste Ritter des ganzen Heeres, jedoch auf Grund der Sprunghaftigkeit seines Charakters und seiner Ausbrüche grausamen Jähzorns zur Führung einer Armee gänzlich ungeeignet, geschweige eines solchen bunt zusammen gewürfelten Haufens. So zogen sich die Kämpfe ohne irgendwelche Resultate noch ein Jahr dahin. Im September 1192 gelang ihm mit dem großen Saladin der Abschluss eines Vertrages, kraft dessen die Christen die Küstenorte von Joppe bis Tyros behielten, Askalon geschleift wurde und der friedliche Besuch der christlichen heiligen Stätten frei gegeben wurde. Jerusalem aber mitsamt der bei Hattin erbeuteten kostbaren Reliquie des Heiligen Kreuzes verblieb Saladin.
Am 09.10.1192 endete mit der Abreise von Richard Löwenherz ohne nennenswerte Resultate der doch so außergewöhnlich gut vorbereitete und bis ins Detail geplante dritte Kreuzzug.