Der zweite Kreuzzug 1147 - 1149

Die Nachricht vom Fall Edessas im Dezember 1144 ließ den Kreuzzugsgedanken erneut aufleben. Unter dem Einfluss der wortgewaltigen Predigten von Bernard de Clairvaux schwappte die Woge der Begeisterung diesmal auch auf Deutschland über. Bernard gelang es neben dem willfährigen Ludwig VII. von Frankreich im Dezember 1146 auch den widerstrebenden deutschen König Konrad III. zu bewegen, das Kreuz zu nehmen.

Das deutsche Heer - viele tausend Ritter und viel zuchtloses Gesindel - setzte sich von Regensburg aus in Marsch und zog die Donaustraße herab durch Ungarn nach Konstantinopel. Die schlechte Disziplin und allerlei Exzesse dieser Truppe veranlassten Kaiser Manuel, die Deutschen schleunigst nach Kleinasien überzusetzen ohne das Eintreffen der Franzosen abzuwarten. Vorwärtsgetrieben vom Fanatismus der Masse und vom eigenen Drang, die unbequeme Sache möglichst schnell zu Ende zu bringen, gleichzeitig jedoch durch mannigfache Sabotageaktionen der Griechen behindert, führte Konrad das Heer bis Nikaia.
Hier trennte sich ein Teil des Heeres ab, um auf einer südlicheren Strecke das Heilige Land zu erreichen. Das Hauptheer zog auf dem Weg Gottfrieds von Bouillon weiter und traf bei Dorylaion auf seldschukische Streitkräfte. Von diesen geschlagen zog es, sich auflösend, nach Konstantinopel zurück um sich dort mit den Franzosen zu vereinigen. Nicht besser erging es dem zweiten Korps, welches im Februar 1148 in Pamphylien geschlagen wurde: Ein geringer Rest rettete sich nach Syrien.

Unterdessen waren die Franzosen eingetroffen und stießen bei Nikaia auf die kläglichen Trümmer des deutschen Heeres. Unter dem Eindruck des Geschehenen wurde beschlossen, den Weg nach Süden zu nehmen. Unterwegs erkrankt musste Konrad III. nach Konstantinopel zurückkehren. Bei Laodikea wurde die Truppe von den Seldschuken besiegt und zog weiter nach der Hafenstadt Attalia. Als hier eine Anzahl oströmischer Schiffe ankam, setzten sich die hohen Herren, Prälaten und Barone auf diese Flotte und fuhren nach Syrien. Das gemeine Volk wurde der Arglist griechischer Wegweiser und Unternehmer überlassen, welche es nach Tarsus in Kilikien führen sollten: Keiner von ihnen hat es je erreicht.
König Ludwig und seine Ritter erreichten zu Schiff das Heilige Land, im März 1148 auch der wieder genesene deutsche König. Die von beiden Herrschern zusammen mit König Balduin III. von Jerusalem begonnenen Unternehmungen scheiterten samt und sonders an einer besonders gelungenen Mischung aus Unfähigkeit, Intrige und Uneinigkeit: Der Zug gegen Damaskus sowie in Angriff auf Askalon. König Konrad verließ im September 1148 Palästina als kranker Mann in Richtung Heimat, wo er im Frühjahr 1149 ankam.

Das Misslingen des Zuges gab dem christlichen Idealismus, der sich hier als sehschwacher Blindenführer erwies, einen empfindlichen Schlag. Die Rückwirkung auf die allgemeine Stimmung im Westen war etwa vergleichbar dem Eindruck, den der Rückzug von Napoleons Armee aus Russland hinterließ.