Der erste Kreuzzug 1096 - 1099

Anlass war die Eroberung Jerusalems und der heiligen Stätten durch die türkischen Seldschuken im Jahre 1077.
Auf der großen Synode zu Clermont, sprechend vor vielen Tausenden von Gläubigen, riss Papst Urban II. die eigene Begeisterung mit sich fort und der Enthusiasmus der Versammelten überholte den seinen noch: Mit einem tausendfachen "Deus lo vult" - Gott will es, billigten, verlangten und begannen sie das große Unternehmen, dessen Ziel jetzt die Eroberung Jerusalems und nicht mehr bloß Hilfe für den oströmischen Kaiser Alexius war. Es wird erzählt, gleich hier hätten sich viele ein rotes Kreuz auf ihr Gewand nähen und sich als Streiter Christi bezeichnen lassen.

Die geistlichen Volksredner schwärmten aus, den Gedanken unter das Volk zu tragen; bei ihnen befand sich ein gewisser Peter de Amiens. Sie predigten vor sehr empfänglichen Ohren. In den unteren Volksschichten, wo bei der großen Unwissenheit die abergläubische Phantasie den freiesten Spielraum hatte, versprach man sich alle himmlischen und irdischen Belohnungen von der Teilnahme. Nicht bloß frommer Glaube, sondern auch Eigennutz und Habgier träumten die wildesten Träume, verstärkt durch alle möglichen Versprechungen der Kirche.
Die Idee war vor allem in Frankreich ungemein populär und verbreitete sich wie eine Epidemie. Etwas langsamer zündete sie in Italien, Spanien, England und Skandinavien. In Deutschland dagegen verhielt man sich noch völlig skeptisch.

Im Frühjahr 1096 brachen von Westen kommend große Scharen aufgestörter Fanatiker ins Rheinland ein und begannen zu predigen, angeführt von Peter de Amiens und einem Ritter der den bezeichnenden Namen Senzavehor / Senzaveir d.i. Habenichts trug. Nach Pogromen in den Rheinstädten zogen sie die Donau entlang nach Konstantinopel. Unterwegs kamen diese Horden ohne Zucht und Lenkung notwendigerweise in Konflikt mit der Bevölkerung eines jeden Landes, durch das sie zogen. Schon in Ungarn wurde ein großer Teil von ihnen niedergemacht. Peter de Amiens jedoch kam glücklich mit seinem Haufen bis Konstantinopel. Er selbst wollte dort auf das Eintreffen des eigentlichen Kreuzheeres warten, die fanatisierten Massen zwangen ihn jedoch sie nach Kleinasien hinüberzusetzen. Hier verloren sie fast alle in ungleichen Kämpfen mit dem seldschukischen Heer Freiheit oder Leben. Peter selbst entkam nach Konstantinopel. Man schätzt, dass bis zu diesem Zeitpunkt schon ca. 100000 Menschen umgekommen waren, bevor sich das Hauptheer in Bewegung setzte.

Ohne einheitliche Leitung, geführt lediglich von einigen macht- und beutehungrigen westeuropäischen Feudalherren sammelte sich das Kreuzfahrerheer bis Dezember 1096 in Konstantinopel: Die Lothringer unter Gottfried von Bouillon kamen die Donaustraße herab, Graf Raimond de Toulouse mit seinen Provencalen über Dalmatien, ein anderer Teil der Normannen und Franzosen über Apulien zu Schiff.
Im Mai 1097 setzte das Heer nach Kleinasien über. Nach großen Siegen über die Truppen Kilidsch Arslans vor Nikaia und auf der Ebene von Dorylaion brach die wenig verwurzelte seldschukische Herrschaft über Kleinasien vorübergehend zusammen und die Kreuzfahrer zogen ungestört weiter bis vor Antiochia, wo sie im Oktober anlangten.
Nach wechselvoller Belagerung gelang der ausgehungerten Truppe im Juni 1098 der Sturm auf die Stadt sowie ein großer Sieg über das weit überlegene Entsatzheer des Emirs von Mosul.
Geschwächt durch Seuchen und Streit der Anführer kämpfte sich das Heer bis zum Juni 1099 nach Jerusalem durch. Ein erster Sturm misslang. Nach Zulieferung von Vorräten und Werkzeug durch genuesische Schiffe sowie dem Bau von Belagerungsmaschinen gelang am 15.07.1099 der Sturm auf die Stadt.

Die erste Belohnung der Sieger bildete die Sättigung der Rache - die Niedermetzelung alles Sarazenischen in der Stadt. Die Berichte ergehen sich in apokalyptischen Bildern vom Blute der Erschlagenen, das bis an das Gebiss der Pferde gereicht habe. In der Regel sind solche Berichte blutiger als die Wirklichkeit, aber daran ist kein Zweifel, dass hier und in diesen Stunden unermessliche Gräuel geschehen sind, an denen das Betrüblichste und Beschämendste ist, dass sie überdies noch dem trunkenen Fanatismus als Verdienst gelten konnten. Die Krieger reinigten sich alsdann vom Blut und Staub des Kampfes und Mordes und die ganze Meute zog bußfertig nach dem Heiligen Grabe.

Gottfried von Bouillon nahm den Titel eines Beschützers des Heiligen Grabes an und bekam unverzüglich Gelegenheit ihn zu bewähren: Ein ägyptisches Entsatzheer, verstärkt durch die restlichen Verteidiger Jerusalems war bis Askalon vorgerückt. Vor den Toren dieser Stadt kam es zu einer großen Schlacht und unter Gottfrieds Führung errang das weit unterlegene Kreuzheer abermals einen vollständigen Sieg.
Damit war die unmittelbare Gefahr für die oberflächlichen Eroberungen der westeuropäischen Ritter vorerst gebannt.

Der erste Kreuzzug ist ein Musterbeispiel dafür, wie Exaltation des religösen Enthusiasmus vermutlich gepaart mit Hungerphantasien und bloßer Habgier in der Lage ist, jedes gesteckte Ziel zu erreichen.