Die Kreuzzüge

Die merkwürdige und folgenreiche Bewegung, welche wir mit dem Namen der Kreuzzüge bezeichnen ist könnte man als ein Glied in der Kette des großen Kampfes zwischen Orient und Okzident betrachten, der sich, in Farben und Formen wechselnd, durch die ganze Geschichte hinzieht und bei dem bald die Kräfte des Orients und bald die des Okzidents die Rolle des Angreifenden übernehmen. Christentum und Islam hatten und haben beide den Anspruch missionierende Weltreligionen zu sein. So viel sie äußerlich auch gemeinsam hatten, so sehr schlossen sie sich doch gleichzeitig aus. Ihr Verhältnis konnte demnach zunächst nur das des Kampfes sein.

Zwar neigte sich in diesem Kampfe in Westeuropa der Sieg im 11. Jahrhundert auf die christliche Seite: Rückzug der Muslime aus Sizilien, Eroberung und Zerstörung der letzten arabischen Bastion in Gallien - Fraxinetum/Frejús, Rückgang der islamischen Einflusszone in Spanien.
Im Osten hatten die Dinge dagegen für das Christentum und seine kämpfende Vormacht, das Oströmische Reich eine äußerst bedrohliche Wendung genommen: Ein großes Turkvolk, die Seldschuken war in die Länder des Kalifen von Bagdad eingebrochen. Mit ihrer einheitlichen, disziplinierten Kriegerschaft erlangten sie rasch das Übergewicht über die in allerlei Hader sich verzehrenden muslimischen Fürstentümer im westlichen Asien und gründeten dort ihre Sultanate. Im Jahre 1071 brachte ihr Anführer Sultan Alp Arslan dem oströmischen Kaiser Romanus Diogenes bei Mantzikert in Armenien eine vernichtende Niederlage bei. Von da an waren sie die Herren Kleinasiens und auch die heiligen Stätten, das Land Palästina fiel 1077 in ihre Hände. Der Kaiser selbst war in Gefangenschaft geraten und sein Nachfolger, Michael VII. wandte sich an Papst Gregor VII. um Hilfe. Er ließ einen hohen Preis blicken, die Wiedervereinigung der östlichen mit der westlichen Kirche.

Hinzu kam ein weiterer Missstand, der die Gemüter im Westen erregte: Die Bedrückungen, Misshandlungen und Erpressungen der christlichen Pilger durch die neuen seldschukischen Herren. Denn trotz der muslimischen Eroberung des Heiligen Landes im 7. Jahrhundert war der Strom der Pilger dahin nie abgerissen und von den muslimischen Oberherren bis dahin nie behindert worden. Es bedurfte jedoch noch einiger Zeit um den Gedanken, in einem "Gott wohlgefälligen Kampfe" die heiligen Stätten den Heiden zu entreißen, in Europa Wurzeln schlagen zu lassen.

Beginn der Kreuzzüge

Erst als auf einer großen Kirchenversammlung in Piacenza Gesandte von Kaiser Alexius I. Comnenus erneut um Hilfe baten, verpflichteten sich viele dem christlichen Kaiser in Konstantinopel zu Hilfe zu ziehen. Denn darum handelte es sich zunächst, unter dieser Gestalt stellte sich der "erhabene Gedanke" zuerst dar: der Hilfe für Ostrom. Aber schon schwoll die Bewegung an und die Gedanken flogen weit über dies erste Ziel hinaus.

Sturm auf Jerusalem 1099

Im 1. KREUZZUG (1096-99) entrissen die Kreuzfahrer den Seldschuken weite Teile Kleinasiens, die wieder unter oströmische Kontrolle kamen und eroberten in einem blutigen Feldzug die syrisch-palästinensische Küste mit den heiligen Stätten einschließlich Jerusalem (15.07.99). Neben dem Königreich Jerusalem in Palästina entstanden an der syrisch-phönikischen Küste mit dem Fürstentum Antiochia und den Grafschaften Edessa und Tripolis französisch Kreuzfahrerstaaten, die sich von nun an in zermürbenden Kleinkriegen, permanent abhängig von Nachschub an Menschen aus Europa, gegen die Angriffe der zunehmend einiger agierenden Muslime zu erwehren hatten. Bis ca. 1130 gelang den Kreuzfahrern die Konsolidierung und Abrundung ihres Besitzes durch Eroberung der wichtigen Hafenstädte Akkon (1104), Sidon (1110) und Tyros (1124).

Templer in seiner Ordenstracht

In diese Zeit fällt die Entstehung von zwei ritterlich-mönchischen Korporationen, in denen sich Kraft und Tapferkeit des westeuropäischen Rittertums mit der strengen Zucht, Disziplin und Askese der Mönchsorden vereinten, der Orden der Ritter des Tempels (1118) und der Orden der Hospitaliter bzw. Johanniter (1113 - Das Hospital St. Johannis bestand schon vor der Eroberung Jerusalems). Ebenfalls 1118 wurde von deutschen Pilgern das Hospital St. Mariens in Jerusalem eingerichtet. Der Papst unterstellte es jedoch 1143 den Johannitern und mit dem Fall der Stadt 1187 ging es unter. Beide Ritterorden, deren Dienste bei der Abwehr der den Kreuzfahrerstaaten ständig neu erwachsenden mächtigen Gegner dringend gebraucht wurden, nahmen alsbald eine hervorragende Stellung innerhalb des Königreiches Jerusalem ein. Ein solcher war der seit 1127 regierende Emir von Mossul Emadeddin Zenki. Er entriss den Kreuzfahrern trotz des Bündnisses mit dem Emirat Damaskus bereits im Jahre 1144 die 1098 als erster Kreuzfahrerstaat gegründete Grafschaft Edessa. Dies war der Auslöser für den hauptsächlich von Bernard de Clairvaux initiierten 2. KREUZZUG (1147-1149) der im Reich vom sogenannten Wendenkreuzzug sekundiert wurde.

Nach dessen katastrophalem Ausgang verstärkte sich der Druck auf die Kreuzfahrerstaaten wieder erheblich. Die Verhältnisse waren hier ohnehin bedenklich genug: Wenn der Stand der Sittlichkeit in den westlichen Ländern schon zu wünschen übrig ließ, so war er hier in der "transmarinen Kirche" nachgerade trostlos. Diese Gesellschaft sah sich einem Feinde gegenüber, gegen den alles erlaubt schien, weil er den "wahren Glauben" bekämpfte. Wer aber den Ungläubigen gegenüber Verrat, Hinterlist, Treubruch und Grausamkeit für verdienstvoll hält, wird diese auch nicht den Glaubensgenossen gegenüber wertschätzen und so ist diese Geschichte in der Tat mit Nichtswürdigkeiten aller Art angefüllt.

Der Aufstieg Saladins und der Fall Jerusalems

Im Jahre 1154 fiel das Emirat Damaskus, das vorher für die Christen eine Art Schutzwehr gebildet hatte in die Hände Nureddins, des energischen Nachfolgers von Emadeddin Zenki, der nun von hier aus - denn er verlegte seine Residenz nach Damaskus - Antiochia und Jerusalem unmittelbar bedrohte. Gelegentlich entriss allerdings die fränkische Tapferkeit, welche namentlich in den Ritterorden sich aufs glänzendste zeigte, der muslimischen Übermacht den Sieg.

Sultan Saladin. nach einer zeitgenössischen orientalischen Buchmalerei

Nach einem schmachvollen Raubzug König Amalrichs I. von Jerusalem gegen das schwächelnde Fatimidenkalifat von Kairo 1167 verbündete dieses sich mit Nureddin, der den Fatimiden seinen Feldherrn Schirkuh zu Hilfe sandte. Dessen Amt übernahm dann sein Neffe Saladin. Nach dem Tode des letzten Fatimidenherrschers übernahm Saladin 1171 als Vasall Nureddins die Herrschaft über Ägypten. Nach dessen Tod 1174 übernahm Saladin bis 1176 auch in den asiatischen Teilen des Reiches die Herrschaft. Die Einkreisung der Kreuzfahrerstaaten war damit vollzogen. Im gleichen Jahr erlitt der oströmische Kaiser Manuel bei Myriokephalon eine schwere Niederlage gegen die Seldschuken und musste diesen wieder einen großen Teil Kleinasiens preisgeben. Hilfe von dieser Seite war damit sehr unwahrscheinlich geworden.

Die Frist welche den Christen dadurch gegeben ward, dass Saladin seine Macht erst nach verschiedenen Seiten zu befestigen hatte, ehe er zum entscheidenden Stoß gegen das christliche Königreich ausholen konnte, wurde nicht benutzt.

Charakterisiert wird die frivole Planlosigkeit dieser jeder Autorität und Lenkung entbehrenden Politik durch einen der großen Ritter im Lande, Graf Rainald de Chatillon. Von seinen Burgen Krak von Moab und Montreal in Transjordanien aus betrieb dieser den Krieg mittels hemmungsloser Raubüberfälle auf eigene Faust und zog dadurch selbst die Vergeltung herbei. Die weitere innere Zerrüttung wurde durch die Zerwürfnisse innerhalb der ritterlichen Gesellschaft und die folgenden raschen Thronwechsel noch begünstigt.

Den Vorwand zum letzten Schlage gegen die christliche Herrschaft lieferte wiederum Rainald de Chatillon mit einem erneuten Raubüberfall auf eine Karawane von Mekkapilgern, bei welcher sich auch eine Schwester Saladins befand. Genugtuung wurde verweigert, Saladin zog seine Streitkräfte zusammen und im Juni 1187 erfolgte westlich vom See Genezareth die Entscheidung in einer Serie von Schlachten. Deren letzte bei Hattin war bei der Lage des christlichen Heeres von vornherein aussichtslos. Das gesamte Heer wurde vernichtet, nur einigen wenigen gelang es sich durchzuschlagen. Unter den Gefangenen waren König Guido, der Großmeister der Templer und Rainald de Chatillon. Letzterer wurde von Saladin, seinem Gelübde entsprechend, eigenhändig enthauptet und die gefangenen Templer und Johanniter ließ er hinrichten. Widerstand im offenen Felde war nicht mehr möglich; das islamische Heer breitete sich über die Landschaft aus; eine Stadt nach der anderen, eine Burg nach der anderen fiel. Am 19.09. konzentrierte sich die muslimische Streitmacht vor Jerusalem, das nach einer matten Verteidigung am 02.10.1187 kapitulierte. Die Kreuze wurden herabgestürzt, die Glocken zerschlagen und die heiligen Orte nach islamischer Sitte mit Rosenwasser und Wohlgerüchen neu geweiht. Nur Tyros, Tripolis und Antiochia konnten die Christen behaupten.

Diese Ereignisse riefen in Europa eine große Koalition von Kaiser, Papst sowie den west- und mitteleuropäischen Feudalgewalten auf den Plan, die in den 3. KREUZZUG (1189-91) mündete.

Letzte Kreuzzüge

Nach dessen doch sehr bescheidenem Ausgang stand in Europa rasch ein neues Kreuzzugsprojekt auf der Tagesordnung. In Angriff genommen wurde es von der deutschen Zentralgewalt in Gestalt Kaiser Heinrichs VI., dem Sohn des im Saleph verunglückten Friedrich Barbarossa. Er sah in der Kreuzzugsbewegung, die bis dahin ein päpstliches Machtinstrument gewesen war, ein treffliches Mittel um seine immer weiter ausgreifenden Expansionspläne zu verwirklichen: Er gedachte den Papst matt zu setzen, das Oströmische Reich zu unterwerfen sowie die Kreuzfahrerstaaten unter seine Kontrolle zu bringen. Begünstigt wurden seine Bestrebungungen durch die Heirat seines Bruders Philipp von Schwaben mit Irene, der Tochter des oströmischen Kaisers Isaak. Nachdem dieser von seinem Bruder Alexios III. gestürzt worden war, ergab sich für den römisch-deutschen Kaiser die Gelegenheit aktiv in die Angelegenheiten Konstantinopels einzugreifen. Schnell zwang er Ostrom unter seine Tributärabhängigkeit. Aber längst reichten die Fäden seiner Politik über den oströmischen Reststaat hinaus: Die islamischen Fürsten Nordafrikas sandten ihm Tribut, 1194 erkannte Kleinarmenien die Lehnshoheit des Reiches an; wenig später folgte Amalrich von Lusignan, der 1197 neuer König von Jerusalem wurde. Gekrönt werden sollte die ganze imperiale Machtentfaltung von einem gewaltigen Kreuzzug und der Wiedergewinnung Jerusalems. Im März 1197 stachen die ersten Verbände auf 30 Schiffen Richtung Zypern in See. Große Massen zogen zu Lande durch Italien und sammelten sich an der apulischen Küste. Die Norddeutschen hatten den Seeweg um die iberische Halbinsel genommen und an der portugiesischen Küste die ersten Kämpfe mit den dortigen Bekennern des Islam bestanden. Anfang September brach die riesige Hauptflotte unter Führung von Reichskanzler Konrad von Mainz und Herzog Heinrichs von Brabant auf. Im Herbst 1197 wurden Beirut und Sidon erobert, so dass sich die maßgeblichen Küstenstädte wieder in christlicher Hand befanden. Den Siegeslauf des Heeres stoppte die Nachricht vom unerwarteten Tode Heinrichs VI., der Ende September an einer seuchenartigen Infektion gestorben war. Seine übersteigerten Weltherrschaftspläne und mit ihnen der Kreuzzug wurden sofort fallengelassen, um die Hände für die nun folgenden Machtkämpfe im Römisch-Deutschen Reich frei zu haben. Aus denen ging als eigentlicher Sieger das Papsstum hervor, repräsentiert seit 1198 durch den Machtpolitiker Innozenz III. Der heilige Stuhl konnte nunmehr den Kreuzzug wieder zum Instrument der eigenen Politik machen.

Im Bewusstsein seiner neu gewonnenen Machtfülle ließ Innozenz III. in ganz Europa das Kreuz predigen. Unter den Predigern trat ganz besonders der Franzose Fulko de Neuilly hervor, der nicht aufhören konnte, aus seinem Gewande die Kreuze zu herauszuschneiden, mit denen er die zudrängende Masse für das heilige Unternehmen dekorierte.
Der 4. KREUZZUG (1202-1204), der entgegen ursprünglicher Intentionen (außer der venezianischen) in Konstantinopel und nicht in Jerusalem endete, brachte für die gefährdeten Kreuzfahrerstaaten nicht die erhoffte dauerhafte Entlastung.Im Gegenteil, der Zusammenbruch des Oströmischen Reiches und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches auf Teilen von dessen Territorium ließ den Kreuzfahrern ihre einzige stabile Stütze im Orient wegbrechen. Das Lateinische Kaisertum war lediglich die schlechte Nachahmung eines schlechten Originals, nämlich des Königreichs Jerusalem, und schneller noch als dieses sollte es seiner eigenen Schwäche erliegen.

Zu den düsteren Folgeerscheinungen des durch den Papst künstlich neu aufgeheizten religösen Fanatismus' gehören auch die Ketzerkreuzzüge und der Kinderkreuzzug in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Alle diese Unternehmungen führten aber nicht zur Rückgewinnung Jerusalems, so dass Innozenz III. noch während des Zuges gegen die Albigenser umfassende Vorbereitungen für einen neuen Orientkreuzzug traf, der von einigen Historikern auch als der fünfte bezeichnet wird (1217-1221). Dieser sollte zwar nach päpstlichem Plan der am besten vorbereitetste aller Zeiten werden, ließ ihn jedoch an den Unzulänglichkeiten der kirchlichen Zentrale scheitern, die in puncto Führung und Organisation völlig überfordert war. Zu dem von Innozenz geplanten Aufmarsch in zwei Heeresgruppen kam es überhaupt nicht, weil viele deutsche und ungarische Feudalherren auf eigene Faust loszogen. König Andreas von Ungarn führte eine große Pilgerschar nach Akkon, wo er im Herbst 1217 mit den dortigen Gewalten der Kreuzfahrerstaaten zusammentraf. Die üblichen Querelen zwischen den hohen Herren verhinderten ernsthafte Aktionen gegen die Truppen von Sultan Al Kamil. Nach einem Vierteljahr zog Andreas mit anderen Feudalherren frustriert zurück in die Heimat; sie hatten wenigstens ihr Gelübde erfüllt. Die übrigen jedoch, 1218 durch ein Kreuzheer aus Nordwestdeutschland verstärkt, beschlossen gemeinsam mit den Großmeistern der Ritterorden Ägypten anzugreifen, geleitet von der Erkenntnis, dass ein dauerhafter Besitz Syriens und Palästinas ohne eine feste Stellung am Nil nicht möglich sei. Der Hauptschlag galt der Stadt Damiette, einer stark ausgebauten Festung im östlichen Nildelta, die als der Schlüssel zum Lande selbst galt. Nach langer Belagerung und tapferer Verteidigung (Ende Mai 1218 - November) fiel die Stadt. Al Kamil bot Frieden - er bot Jerusalem gegen Damiette! Aber an der Spitze der christlichen Streitmacht stand einer jener geistlicher Dilettanten, die bei den Kreuzzügen eine so große und verhängnisvolle Rolle spielten, der päpstliche Legat Kardinal Pelagio Galvani, und dieser wies das Anerbieten hochmütig zurück. Nach langem und heftigen Streit innerhalb der Kreuzfahrer brachen diese erst im Juli 1221 wieder auf um weiteres ägyptisches Gebiet zu erobern. Da hatte sich jedoch Al Kamils militärische Lage durch Unterstützung aus dem Zweistromland entscheidend verbessert. Eingeschlossen vom Nilhochwasser und dem gegnerischen Heer gerieten die Kreuzfahrer bald in eine ausweglose Situation und mussten froh sein, dass ihnen der Sultan einen glimpflichen Frieden gewährte. Er sicherte ihnen freien Abzug zu, worauf sie Damiette räumten und Ägypten verließen. Wiederum scheiterte ein Kreuzzug, der mit einem riesigen Einsatz von Menschen und Mitteln begonnen worden war.

Nach diesem Debakel und dem gewaltigen Ansehensverlust der Kirche, der damit verbunden war, richteten sich die Blicke auf den letzten Trumpf, der dem Papste noch verblieben war, den als Kandidat des heiligen Stuhls auf den Thron gelangten deutschen König Friedrich II. Nach Androhung der Exkommunikation und tatsächlichem Auspruch derselben setzte sich Friedrich schließlich im Juni 1228 endgültig in Marsch. Der 5. KREUZZUG (1227-1229) brachte zwar die Rückgewinnung Jerusalems, konnte aber die prekäre Lage der Kreuzfahrerstaaten insgesamt nicht bessern, im Gegenteil. Die Stellung des Königs von Jerusalem gegenüber den Ritterorden und den Feudalherren des Landes wurde völlig bedeutungslos, da Friedrich II. als König von Jerusalem seine Macht an Statthalter übertrug und diese sich nicht gegen die Partikulargewalten durchsetzen konnten. Auf der iberischen Halbinsel hingegen gelang es den einheimischen Feudalgewalten zusammen mit den Ritterorden von Calatrava, Santiago, Alcántara und Aviz im Laufe des 13. Jahrhunderts der islamischen Herrschaft in Gestalt des Kalifats der Almohaden den entscheidendenden Schlag zu versetzen. Die arabisch-islamische Herrschaft wurde fortan auf die Südwestecke Spaniens beschränkt, wo sie sich als Emirat von Granada noch bis 1492 halten konnte.

Ein letztes Mal verbesserte sich die Situation der Kreuzfahrerstaaten 1238 vorübergehend, als Sultan Al Kamil starb und unter seinen Nachfolgern Thronwirren nicht gekannten Ausmaßes einsetzten. Jedoch wurden diese nicht entschieden genug benutzt. Zwar gelangen einzelnen westeuropäischen Feudalherren wie König Theobald von Navarra oder Graf Richard von Cornwall durchaus achtenswerte Erfolge und Landgewinne, die Hauptkräfte der Kreuzzugsbewegung aber verzettelte der Papst bei seinem Vernichtungskampf gegen die Staufer und bei der Verteidigung der Reste des Lateinischen Kaiserreichs. Sowohl von Kairo als auch von Damaskus umworben, setzten die Kreuzfahrer auf das Bündnis mit Damaskus und damit aufs falsche Pferd: Während das verbündete damaszenisch-westeuropäische Heer auf die ägyptischeGrenze vorrückte, fielen die mit Ägypten verbündeten Choresmier in Syrien und ins heilige Land ein. Im Sommer 1244 stürmten sie Tiberias und Jerusalem. Am 17.10.1244 standen sich die Heere bei Gaza gegenüber. Die Niederlage, die die Kreuzfahrer hier erlitten stand der von Hattin in Umfang und Bedeutung kaum nach. Sie mussten riesige Verluste hinnehmen: Ein geringer Teil mit dem Großmeister der Johanniter geriet in Gefangenschaft, der größte Teil kam ums Leben. Sultan As Salih nutzte seinen Sieg konsequent aus und eroberte bis 1247 ganz Syrien und Palästina. Der Sturm auf die den Kreuzfahrern verbliebenen Küstenstädte hingegen blieb vorerst aus.

Die erneute Katastrophe veranlasste König Ludwig den Heiligen von Frankreich zur Einlösung seines Gelübdes und Durchführung des Unternehmens welches gemeinhin als der 6. KREUZZUG (1248-1250) bekannt ist. Dass der schmähliche Ausgang desselben nicht sofort das endgültige Aus für die christlichen Restgebiete im Orient brachte, ist nur der Tatsache zu danken, dass nach dem Tode Sultan As Salihs die Mameluken, eine aus Sklaven hervorgegangene Leibgarde, die Macht in Kairo an sich riss und ihre Herrschaft erst noch befestigen musste. Ludwig nutzte noch die Jahre seines Aufenthaltes im heiligen Land bis 1254, um die Kreuzfahrerstaaten notdürftig zu stabilisieren. Von Akkon aus rief er seine Landsleute in Frankreich zur erneuten Durchführung des "gottgefälligen Werkes" auf. Diese Aufforderung trug nur eine neue Frucht des Unheils. Volksprediger, sich selbst nannten sie "Pastorellen" verkündeten den Kreuzzug der Armen zur Rettung des Heiligen Landes, da die Feudalherren versagt hätten. Sie erregten damit in den niederen Massen einen Fanatismus und eine wilde Schwärmerei, die viele Tausende in einem gewaltigen Haufen vereinigte, jedoch vor Ort sich in einer sozialrevolutionären Bewegung entlud, die bald unter Verachtung jeglicher Autorität unter Raub, Mord und Zerstörung von Ort zu Ort zog und erst nach mehreren Monaten niedergeschlagen werden konnte.
Noch einmal, im Jahre 1270 nahm der König das Kreuz. In diesem sogenannten 7. KREUZZUG griff er Tunis an und scheiterte wiederum. Das einzige was er erreichte war, dass christliche Geistliche im Raum Tunis das Recht zur freien Religionsausübung hatten. Für die orientalischen Kreuzfahrerstaaten hatte dieser Kreuzzug indes keine Bedeutung mehr.

Deren Jahre waren ohnehin gezählt. Nachdem schon Jahre erfolgreich von Nikaia aus die Wiederherstellung des Oströmischen Reiches betrieben wurde, fiel 1261 mit Konstantinopel der letzte Rest des Lateinischen Kaiserreiches, eines Gebildes, das ohnehin die Zeit seiner kurzen Existenz über einer Krankheit ähnlicher war denn einem Staate. Den Kreuzfahrern in Syrien und Palästina, ohnehin geschwächt durch den permanenten verzehrenden Streit zwischen Templern und Johannitern erwuchs ihr letzter Gegner im Mamelukensultan Baibars, der 1260 den letzten Ayubidensultan Kutuz hatte ermorden lassen. Nach der erfolgreichen Abwehr der Mongolen und Festigung ihrer Macht über Ägypten und Syrien holten er und seine Nachfolger Kalaun und Al Aschraf zum Vernichtungsschlag gegen die Kreuzfahrerstaaten aus. Sie bedienten sich dabei geschickt verschiedener Koalitionen sowohl mit dem wieder hergestellten oströmischen Reich als auch dem katholischen Aragon und Genua. Eine Rückeroberung der syrisch-palästinensischen Küste durch die Christen wollten die Mameluken für immer ausschließen. Deshalb zerstörten sie alle eroberten Städte vollständig. In ihrer rücksichtslosen Kriegsführung standen sie den Mongolen nur wenig nach. Im Gefolge der ägyptischen Offensiven löste sich das innere Gefüge der Kreuzfahrerstaaten endgültig auf. Die einzelnen Feudalherren und Ritterorden versuchten durch Sonderabkommen die drohende Vernichtung ihres Besitzes zu verhindern, aber diese Politik erleichterte nur das Vorgehen der Gegenseite.

1265 fielen Caesarea, Haifa, Toron und Arsuf; 1268 Jaffa und Antiochia; zwischen 1271 und 1285 die großen Festungen Starkenberg/Montfort, Krak des Chevaliers und Margat; 1287 Latakia und 1289 Antiochia. Der Untergang von Antiochia - seit dem 1. Kreuzzug ununterbrochen in Händen der Kreuzfahrer - signalisierte das Ende. Das Hauptbollwerk Akkon erfuhr in diesen Jahren mehrere Belagerungen, die aber noch abgewehrt wurden wie auch ein Angriff auf Zypern, das dem Festland noch immer Verstärkungen zuführte.
Anfang 1291 begann mit dem Angriff Al Aschrafs auf Akkon der Endkampf. Die Kreuzfahrer und Ritterorden zogen in der schwer befestigten Stadt alle verfügbaren Kräfte zusammen. Aber Al Aschraf hatte Kräfte aufgeboten, die die Möglichkeiten der Christen um ein vielfaches überstiegen. Am 18. Mai gelang den Mameluken der Einbruch in die Stadt, die in erbitterten Straßenkämpfen erobert wurde. Ein Teil der Bevölkerung konnte sich auf die Schiffe im Hafen retten, während sich die Ordensritter in ihren stark befestigten Türmen verschanzten. Die Muslime richteten in der Stadt ein ungeheures Blutbad an. Der Sultan zwang die überlebenden Johanniter- und Deutschordensritter zur Übergabe; wer herauskam wurde vor der Stadt enthauptet. Lediglich die Templerniederlassung hielt sich noch einige Tage länger, ehe auch sie nach einem letzten furchtbaren Kampfe fiel. Danach wurde die Stadt zerstört und dem Erdboden gleichgemacht.
Nach Akkons Fall wurden bis August die übrigen Städte Tyros, Beirut, Sidon, Tortosa und Pilgerschloss meist kampflos übergeben. Die Herrschaft der Kreuzfahrer war zu Ende.

Fazit der Kreuzzüge

Das Kreuzzugsgelübde lebte noch eine Zeitlang als Idee und bald als bloße Phrase fort, welche zur Wahrheit zu machen niemandem mehr einfiel; es blieb eine Waffe in dem wohl gefüllten Arsenal der Kirche, welche in späterer Zeit, als der Angriff in dem großen weltgeschichtlichen Kampfe zwischen Orient und Okzident wieder einmal an den ersteren übergegangen war, wie auch sonst gelegentlich wieder hervorgeholt wurde.
Geistvoll und tief hat ein philosophischer Betrachter der Menschengeschichte, Hegel, gesagt, dass die europäische Menschheit in diesen kriegerischen Wallfahrten zum Grabe des Erlösers dort dieselbe Antwort empfangen habe wie einst die Jünger: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." Die großen Gedanken des Christentums und ihre völkererziehende, völkerbefreiende Kraft sind nicht an den Besitz der Stätten gebunden, welche den irdischen Schauplatz der ersten Tätigkeit des Heilands gebildet haben, der den Seinen verheißen hat, das er überall, allezeit bei ihnen sein werde bis an der Welt Ende.
Einem Wahn, der von Generation zu Generation mehr aufhörte ein frommer Wahn zu sein, wurden viele Menschenalter lang fast alljährlich ungeheure Massen zum Opfer gebracht und trotz derselben ging der Besitz des heiligen Grabes rasch wieder und bald auf immer verloren. Eine höchst bedeutsame und tief wirkende Episode in der Geschichte der Menschheit bilden sie gleichwohl. Man wäre versucht, in mancher Beziehung ihre Wirkungen denjenigen zu vergleichen, welche eine große Reise im Leben des Einzelnen hervorzurufen geeignet ist. Freilich muss man sich davor hüten, das was eine Wirkung der verschiedenartigsten in der Zeit liegenden Kräfte war, als ausschließliche Folgen der Kreuzzüge anzusehen.

Das Endergebnis bestand in einer ungeheuren Ernüchterung des Bewusstseins. Die Wunder an die man so fest glaubte, ja für die sich eine Menge stets bereiter Zeugen fand, erfolgten in Wahrheit nicht: Es sah in den fremden Ländern, auch im sogenannten heiligen nicht viel anders aus als im eigenen Land auch und hinter den Bergen wohnten Menschen wie diesseits. Bald erwachte ein Geist der Kritik, der sehr im Gegensatze zum "DEUS LO VULT" der Versammlung von Clermont stand: Das sehr nüchtern gewordene Urteil fand, dass wenn dem Herrn wirklich so ärgerlich wäre, dass die Sarazenen im Besitz der heiligen Orte seien, er dem Gräuel auch wohl ein Ende gemacht haben würde ohne Kreuzfahrten. Aber nicht dies allein: Man hatte Gelegenheit gehabt, fremde Völker und fremden Glauben nicht bloß wie früher in der befangenen Schilderung geistlicher Unwissenheit, sondern an Ort und Stelle im persönlichen Verkehr kennen zu lernen und man hatte gefunden, dass sich mit den Bekennern Muhammads leben ließ. Bei nicht wenigen und namentlich gerade bei den Gliedern der Orden, welche die erste Begeisterung hervorgerufen hatte, führte diese Erkenntnis zu einem frivolen Unglauben und zu Ketzereien gefährlichster Art (so der Vorwurf an die Templer). Endlich aber hatte von Anfang an eine Strömung gegen den abenteuersüchtigen Wandertrieb bestanden: Der Sinn für die ruhige Arbeit im heimatlichen Land und der ehrliche Widerwille gegen das unangemessene, zucht- und sinnlose Streben ins Weite. Diese Auffassung hatte zuletzt recht behalten und sie war hunderttausendfach bestätigt worden sowohl durch diejenigen, die enttäuscht, zerlumpt, schiffbrüchig zurückkehrten als auch durch die weit zahlreicheren Vermissten, Verschollenen von denen niemand zu berichten wusste, was aus ihnen wurde. Überhaupt aber: die weltlichen Motive, die materiellen Interessen traten im Verlauf der Unternehmungen immer mehr in den Vordergrund. Ob im heiligen Land viel Vergebung der Sünden zu haben war, musste bald zweifelhaft erscheinen, zumindest gedieh auch dort jedes heimische Laster und noch manches fremdländische neue dazu. Aber Geld und Gut war dort zu holen, das bewies der Reichtum der italienischen Seestädte, die den sichersten Gewinn zogen. Und so war die Gesamtfolge diese, dass man, indem man darauf verzichten musste den Himmel zu stürmen, sich beschied, die Erde besser anzubauen und die Kräfte, die dem Menschen gegeben sind auf verständige Weise und auf heimischem Boden zu entwickeln.

Dass das Leben im Ganzen in diesen zwei Jahrhunderten ein reicheres, lichteres, freieres geworden war ist unverkennbar, nicht zuletzt durch ausgerechnet den Einfluss der islamischen Kultur auf Europa.
In dieser für sie angenehmen Zeit vervollständigte denn auch die Kirche ihre Machtmittel und das System, das man mit dem Namen Gregors VII. bezeichnet, fand seinen Abschluss. Mit kluger Berechnung nutzten die großen Päpste dieser Zeit die Kreuzzugsbewegung, indem sie sich freilich zugleich sorgfältig hüteten, ihre eigene Person und damit die Autorität des heiligen Petrus bei diesen gewagten Unternehmungen bloßzustellen. Man wundert sich, wie jene Zeit es sich bieten ließ, dass kein Papst persönlich mit der Kreuzesfahne zu Felde zog. Die Kirche fand in dieser Strömung vor allem eine Gelegenheit, ihre materiellen Mittel zu vermehren. Nicht allein dass viele der Pilger ihrem Gelübde und Herzenswunsch nur Genüge tun konnten, indem sie ihren Grundbesitz oder einen Teil desselben veräußerten und sich so ein Markt auftat, wo sich billig kaufen ließ. Die frommen Schenkungen an Kirchen und Klöster nahmen bei der Erregung, wie die Kreuzzüge sie hervorriefen einen großen Aufschwung. So mancher der nicht mitziehen konnte oder wollte, suchte seinen Gott, seinen Heiligen oder seinen Bischof durch eine Schenkung zu begütigen. Nicht zuletzt die ureigensten Produkte dieser Zeit, die Ritterorden, gelangten so binnen kurzem zu einem ungeheuren Besitz.