Die Regeln des Deutschen Ordens

Die Regeln des Ordens, niedergelegt im Ordensbuch zwischen 1244 und 1249, zerfallen in vier Hauptteile:
1. Prolog Entstehungsgeschichte und Herleitung der Existenzberechtigung des Ordens
2. Regel Grundlagen des Ordenslebens (u.a. Mönchsgelübde, materieller Besitz, Rechte und Pflichten, Krankenpflege, Zusammenleben in der Gemeinschaft, Gottesdienst und Gebet, Aufgabe des Hochmeisters, Tragen des Ordenskreuzes, Ratsversammlung, Familiareninstitut )
3. Gesetze Erläuterungen und Ergänzungen zur Regel (wie z.B. Gehorsamspflicht, Liebe)
4. Gewohnheiten Ordensverfassung und Befugnisse der einzelnen Ämter(z.B Großkapitel, Wahl des Hochmeisters, Aufnahmeritual, vom guten Rat)
Seite aus dem Ordensbuch von 1290

Zunächst galten für den Orden parallel die Regel der Templer und die der Johanniter. Das war jedoch auf Dauer unpraktikabel. Da infolge des Dekretes Papst Innozenz' III. von 1215 aber keine neuen Ordensregeln mehr verfasst werden durften, sondern lediglich die Regeln schon bestehender Ordensgemeinschaften übernommen werden sollten, wurde das Deutschordensbuch unter Verwendung von hauptsächlich drei Quellen verfasst:

1. Ritterregel - aus der Templerregel
2. Krankenpflegeregel - aus der Johanniterregel
3. Mönchsregel - aus der Zisterzienserregel

Durch die Komposition dieser Quellen und eigene Ergänzungen insbesondere im Bereich des Strafrechts entstand daraus jedoch eine neue Ordensregel mit unverwechselbarem Charakter.

Auszüge aus dem ersten Ordensbuch:

Quelle: "Die Regeln des Deutschen Ordens in Geschichte und Gegenwart" Hsgg. von Ewald Volgger OT, Deutschordensverlag, Lana 1985

1. PROLOG

I.Im Namen der Hehren Dreifaltigkeit künden wir allen, die gegenwärtig sind und in Zukunft kommen werden, wie und wann der Orden des Hospitals St. Mariens des Deutschen Hauses von Jerusalem entstanden ist und von wem er gegründet wurde. Im Jahre 1190 nach der Geburt unseres Herrn, zur Zeit, in der Akkon in den Händen der Christen war, nachdem es mit Gotteshilfe aus den Händen der Ungläubigen zurückgewonnen werden konnte, befanden sich im Heer eine Schar guter Leute aus Lübeck und Bremen. Aufgrund der Milde unseres Herrn erbarmten sie sich der vielfältigen Gebrechen, die die Kranken im Heere auszustehen hatten, und gründeten das genannte Hospital unter einem Schiffssegel (daz ein kocke geheizen ist). Hier brachten sie die Siechen mit großer Sorgfalt (andaht) unter und pflegten sie mit viel Fleiß. Dieses noch kleine Beginnen erbarmte den Herzog Friedrich von Schwaben und andere hohe Herren, deren Namen hier geschrieben stehen: der ehrwürdige Patriarch von Jerusalem und der König desselben Reiches, Heinrich; der Herzog Heinrich von Brabant, der Heeresführer; der Meister vom Spital St. Johannes und der Meister vom Tempel (der Templer); der Erzbischof und die hohen Leute desselben. Auf Geheiß dieser sandte der vorhin genannte Herzog von Schwaben seine Boten über das Meer an seinen Bruder König Heinrich, den Kaiser, er möge von Papst Cölestin erwirken, daß er das neu gegründete Hospital bestätigen und ihm die Lebensweise zum Dienst an den Kranken nach denn Vorbild des Spitals St. Johannes und die der Ritterschaft nach dem Vorbild des Templerordens geben möge. Dies geschah. Beides, die Lebensweise und die Freiheiten von des Herren Gnade und Güte des Papstes, wurde bestätigt und demselben Hospital übergeben. Dieselbe Lebensweise ist nicht nur von den Menschen auf Erden bestätigt, sondern auch von Gott im Himmelreich.

II.Wir lesen im Alten Testament, daß Abraham, der große Patriarch, um seinen gefangenen Bruder Lot kämpfte und daß es ihm im Kampf gelungen ist, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Auf dem Rückzug begegnete ihm Melchisedech mit seinen Gaben (Brot und Wein). Ihm offenbarte der Heilige Geist, daß der,der die höchste Stelle in der Kirche innehat, die Ritter lieben solle, sie mit Segen empfangen und mit besonderem Wohlwollen unter seinen Schutz stellen möge. Auch möge er ihnen Ablässe und Privilegien verleihen, um diese an gute Menschen weitergeben zu können. So begann die Ritterschaft der Gläubigen gegen die Ungläubigen.

III.Diese Ritterschaft, bezeichnet als himmlische wie auch als irdische, ist von höchstem Range, da sie gelobt hat, die Verschmähnisse Gottes und seines Kreuzes zu rächen und um das Heilige Land zu kämpfen, das eigentlich in christlicher Hand sein sollte, die Heiden aber für sich erzwungen haben. Auch der hl. Johannes sagt, daß eine neue Ritterschaft vom Himmel herabkommt. Dieses Gesicht will uns sagen, daß die Kirche einige Ritter haben solle, die ihre Feinde mit starker Hand vertreiben. Zum Zeugnis dafür stehen auch Mose und Josua, die Ritter waren unter den Juden, also Ritter Gottes. Sie führten einen Gott wohlgefälligen Kampf und vernichteten so die bösen und ungläubigen Leute, die das ganze Land (Heilige Land) besetzt hatten. David war ein König, den Gott selbst zum Regieren bestimmt hatte, dazu ein großer Prophet. Er hatte eine stattliche Anzahl von Leuten unter seinem Gesinde, deren Aufgabe es war, das Haupt Davids zu beschützen und alle, die Davids Haupt verfolgen, zu vernichten. Dies war ein Vorzeichen, daß unser Herrgott, der das Haupt der Kirche ist, bis in unsere jüngsten Zeiten noch solche (Ritter, Kämpfer) haben sollte. Wir gedenken auch des löblichen und vor Gott geschätzten Kampfes jener Ritter, die Makkabäer heißen, in welchem sie tapfer (stercliche) und in Ehre gegen die Heiden für den Glauben kämpften. Die Heiden wollten sie zwingen, Gott zu verleugnen. Mit Gottes Hilfe aber konnten sie überwunden und vernichtet werden, so daß die von ihnen verunreinigten Heiligen Stätten gereinigt waren und wieder Friede herrschen konnte im Lande.

IV.Diesem Kampf nun folgt der heilige ritterliche Orden des Hospitals St. Mariens vom Deutschen Haus, der erahnt hat, daß er mit ehrsamem Gefolge geziert ist, da er aus zum Kampf erwählten Rittern besteht, die um der Liebe und der Ehre des Vaterlandes willen sich gegen die Feinde des Glaubens mit starker Hand verteidigen. Sie zeichnen sich auch aus durch überströmende Liebe gegenüber den Gästen, den Pilgern und den armen Menschen. Sie sind voll der Barmherzigkeit und Güte gegenüber den Kranken, die im Hospital liegen, ihnen dienend in brennender Liebe.

V.Unter den Mitgliedern sind auch Priester, deren Würde und Nutzen darin besteht, daß sie in der Zeit des Friedens unter den Brüdern ein gutes Beispiel geben (glenstern) und die Laienbrüder ermahnen, ihr geregeltes Fasten zu halten, daß sie den Gottesdienst feiern und die ' Sakramente spenden. Im Kriegsfall besteht ihre Aufgabe darin, die Brüder für den Kampf zu stärken und sie ermahnend daran zu erinnern, daß auch Gott (Jesus Christus) durch den Tod am Kreuz gelitten hat. Sie sollen also bewahren und behüten beide, die Gesunden und die Kranken, und sollen alle ihren Dienst vollbringen in einem sanften Geiste. Darum sahen die Päpste diesen besonderen Orden, der sich zum allgemeinen Wohl der Kirche erbietet, mit frohen Augen und haben ihn beschenkt und bestätigt mit mannigfachen Freiheiten und Privilegien.

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2. REGEL
GELÜBDE - DIENST AM KRANKEN

Dies ist die Regel der Brüder vom Deutschen Hause Sankt Mariens
Zum Lobe der Hehren Dreifaltigkeit beginnt hier die Regel der Brüder vom Hospital Sankt Mariens des Deutschen Hauses von Jerusalem. Sie teilt sich in drei Teile. Der erste Teil spricht von der Keuschheit, vom Gehorsam und von der Lebensweise ohne Eigentum (Armut). Der andere Teil handelt über das Hospital, wie und was man haben darf. Der dritte Teil spricht von den Dingen, die die Brüder schuldig sind zu halten.

R 1: Vom Gebot der Keuschheit, des Gehorsams und der Armut

Drei Dinge sind die Grundfeste eines jeglichen geistlichen Lebens; sie sind geboten in dieser Regel. Das erste ist die Keuschheit ewiglich, das andere ist der Verzicht auf den eigenen Willen, das ist Gehorsam bis an den Tod, das dritte ist das Versprechen der Armut, daß der ohne Eigentum lebe, der in diesen Orden eintritt. Diese drei Dinge bilden und stellen dar jenen Menschen nach dem Beispiel unseres Herrn Jesus Christus, der keusch war und es blieb im Geiste wie am Leibe, dessen Armut bereits bei seiner Geburt begann, da man ihn in ärmliche Windeln wickelte (bewant mit cranken tücher inen). Armut begleitete ihn auch in seinem Leben, bis er durch uns nackt am Kreuze hing. Er hat uns auch im Gehorsam ein Vorbild gegeben, indem er seinem Vater gehorsam war bis in den Tod. So hat er selbst den Gehorsam geheiligt, da er sprach: Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen meines Vaters, der mich gesandt hat. Auch schreibt der hl. Lukas, daß Jesus, nachdem er mit Maria und Josef in Jerusalem war, ihnen untertänig war. In diesen drei Dingen - Keuschheit, Gehorsam und ohne Eigentum zu leben - liegt die Kraft dieser Regel, so daß sie so unverändert bleibt, daß nicht einmal dem Meister des Ordens die Gewalt zukommt, jemandem die Erlaubnis zu geben, von diesen drei Dingen abzusehen. Bricht man eines, so wäre wohl die ganze Regel gebrochen.

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R 2: Von den Gütern und dem Besitz der Gemeinschaft

Die Brüder können aufgrund der großen Unkosten, die bei so vielen Leuten, dem Hospital, der Ritterschaft, den Kranken und den Armen erwachsen, Güter und Erwerb haben auf den gemeinsamen Namen des Ordens und ihres Kapitels sowie Äcker, Weingärten, Mühlen, Festungen, Dörfer, Pfarreien, Kapellen, Zehent und sonstige Dinge, die ihnen aufgrund der verliehenen Privilegien zustehen. Sie können auch Menschen, Frau wie Mann, Knechte und Dirnen, zu ewigem Rechte besitzen.

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R 3: Von den Freiheiten des Ordens und deren rechtem Gebrauch

Da sich jeder Ordensstand (jegelich geistlich leben) der Immunitäten und Freiheiten des Apostolischen Stuhles in Rom erfreut und von der weltlichen Gerichtsbarkeit exemt ist, ist es billig, daß dieser heilige Orden der Brüder vom Hospital Sankt Mariens des Deutschen Hauses von Jerusalem dessen sich erinnere, daß er in den besonderen Schutz des päpstlichen Stuhles genommen ist. Weil aber dieser Schutz der Kirche keineswegs der Gerechtigkeit zuwider sein will, so befehlen wir zu beobachten, daß die Brüder in ihren Angelegenheiten, die sie gegen jemandem gerichtet durchfechten, in jeder Hinsicht ihre Freiheiten und Privilegien zur Anwendung bringen können. Sie mögen jedoch diejenigen, die sie anklagen, nicht auf böswillige, üble und unbillige Weise und mit Absicht kränken und im Falle der eigenen Klägerschaft nicht mit hinterlistigen oder verfänglichen Verteidigungsmitteln gegen sie vorgehen.

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R 4: Vom Hospital

Wenn dieser Orden ein Hospital und eine Ritterschaft hat, wie aus seinem Namen hervorgeht, so verordnen wir, daß am Hauptsitz oder wo sonst der Meister mit seinem Rate es bestimmt, ein Hospital eingerichtet sei für ewige Zeiten. Wenn man anderswo ein bereits bestehendes Hospital angeboten bekommt, so möge der Landkomtur mit dem Rat der klügeren Brüder dieses annehmen oder abweisen. In anderen Häusern dieses Ordens aber soll man kein Hospital errichten ohne die besondere Erlaubnis des Meisters mit dem Rat der weiseren Brüder.

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R 5: Von der Aufnahme der Kranken

So soll man die Kranken im Hospital empfangen. Wenn der Kranke angenommen wird, soll er, noch bevor man ihn zu seinem Krankenlager (stat der ruwe) bringt, seine Sünden beichten, wenn er die Kraft dazu hat und jemand da ist, dem er sie beichten kann; auch soll er den Leib des Herrn empfangen, damit er auf sein Gebet hin gerettet werde. Anders könne man niemanden ins Hospital aufnehmen. Wenn er (der Kranke) irgendein Gut hat, soll der Bruder, dem die Pflege des Hospitals obliegt, dies schriftlich festhalten und den Kranken gleichzeitig ermahnen, daß er sich sorge um das Heil seiner Seele. Was der Kranke von seinem Gut dazu bestimmt, soll man, wenn man will, behalten.

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R 6: Von der Pflege der Kranken

Hat der Kranke einen Platz im Hospital erhalten, soll man ihn nach des Spittlers klugem Ermessen, der die Not seiner Krankheit beachten möge, sorgfältig und mit Fleiß pflegen. Nach Ermessen möge man im höchsten Hause, das ist der Hauptsitz des Ordens, Ärzte haben nach der Gegebenheit und der Möglichkeit des Hauses und der Anzahl der Kranken. Nach der Weisung der Ärzte und dem Vermögen des Hauses soll man die Kranken barmherzig pflegen und sie liebevoll behandeln. Alle Tage gebe man ihnen in Liebe zu essen, noch bevor die Brüder essen. An den Sonntagen lese man ihnen die Epistel und das Evangelium vor, besprenge sie mit Weihwasser und gehe man zu ihnen in Prozession. In. allen anderen Hospitälern speise man sie alle Tage liebevoll zur festgesetzten Zeit. Auch hier lese man ihnen an den Sonntagen die Epistel und das Evangelium vor und besprenge sie mit Weihwasser aber ohne Prozession, es sei denn, der Landkomtur verordnet etwas anderes. Es ist ihm und dem Rat der weisen Brüder überlassen, im genannten Hospital Ärzte einzustellen. Sorgfältig soll man jedoch darauf achten, daß in allen Hospitälern nachts das Licht nicht fehle. Wer in diesem Hospital, zu welcher Zeit auch immer, vor der Vesper stirbt, den möge man sofort begraben. Bei jenen aber, die nach der Vesper verscheiden, warte man mit dem Begräbnis bis zum nächsten Morgen nach der Prim, es sei denn, aufgrund der Sorge des Hospitalpflegers werde anders zu tun geraten. Wir wollen auch, daß man stets beachte, daß in allen Hospitälern der vom Meister oder seinem Stellvertreter beauftragte Bruder sich um das seelische und leibliche Wohl der Kranken sorge und sich befleiße, ihnen demütig und in Andacht zu dienen. Die Komture ihrerseits sollen in fürsorgender Weise das, was die Kranken an Kost und sonstigen Bedürfnissen benötigen, zur Verfügung stellen. Wenn aber ein zur Pflege betrauter Bruder den Dienst am Kranken verschmähen oder versäumen sollte, sollen dies die übrigen Brüder dem Meister oder dem Oberen berichten, woraufhin dieser die Versäumnisse nach der Größe seiner Schuld büßen wird. Derjenige, dem sie Sorge für die Kranken anvertraut ist, soll auch mit Klugheit bemüht sein, solche Diener zu gewinnen, die mit Hingabe und Demut den Kranken dienen; sollte man bei ihnen Versäumnisse entdecken, sollen auch sie nicht unbestraft bleiben. Den Komturen wie auch allen übrigen Brüdern soll bewußt sein, daß sie beim Empfang des Ordenskleides ebenso gelobten, den Kranken zu dienen wie als Ritter sich für den Orden bereitzuhalten.

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ZUSAMMENLEBEN DER BRÜDER
Eintracht, Vergebung, Zurechtweisung, Liebe, gegenseitigerUmgang
R 25: Von den alten und kranken Brüdern

Die alten und kranken Brüder soll man mit ihrer Krankheit mit viel Geduld ertragen und sie besonders ehren; bei den Bedürfnissen des Leibes soll man in keiner Weise streng sein bei denen, die sich geistlich und ehrsam halten.

R 26: Zusammenleben in Liebe und Brüderlichkeit

Alle Brüder sollen sich so zueinander verhalten, daß die Liebe und Eintracht, welche das Wort Brüder in sich schließt, sich nicht in Unfriede (unmiltekeit) verkehre; sie sollen vielmehr sich bemühen, in brüderlicher Liebe einmütig und gütig im Geiste der Sanftheit miteinander zu leben, so daß man von ihnen mit Recht sagen möge: Wie gut und schön ist es, wenn Brüder in Eintracht miteinander wohnen. jeder, wo er kann, trage des anderen Last, und nach des Apostels Rat seien alle bemüht, den anderen zu ehren. Keine böse Rede, sei es Ohrenbläserei, Aftersprache, Prahlerei mit Taten der Vergangenheit, Lügen, Flüche oder Schelten, Streitworte oder Eitelkeiten, soll aus dem Munde eines Bruders kommen. Keiner soll dem anderen ein Leid zufügen durch Gewalttat oder Drohung. Ist es aber der Fall, daß die Brüder durch Wort oder Tat einander beleidigen, sollen sie daraufhin nicht zögern und die Wunden des Herzens durch die Bitte um Verzeihung heilen, da sie ja Wunden schlugen mit Wort oder Tat. Denn auch der Apostel mahnt: Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. Aber vor allem gebietet dies unser Herr Jesus Christus im Evangelium, da es heißt: Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, laß deine Gabe vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.

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G 30: Die Liebe als das Ziergold aller guten Dinge

Man liest, daß Salomon den Tempel und seine Ausstattung mit Gold verkleiden und goldene Schilde anfertigen ließ. Gebricht es unserem Gotteshaus am Gold der Liebe, so sind wir ohne Zier und ohne Schutz, denn die Liebe ist eine Grundfeste des geistlichen Lebens, die Stärke und der Trost derer, die in selbem sich mühen; sie ist die Frucht und der Lohn, die stets bleiben. Ohne die Liebe ist weder der Orden noch die' Arbeit heilig, sondern sind nur Trugbilder der Heiligkeit. Die Liebe ist ein Schatz, mit dem der Arme, der ihn hat, reich ist, und der Reiche, der ihn entbehrt, ist arm. Demnach sollen alle Brüder sich die Liebe zu eigen machen, um sich ihr Zusammenleben nicht zu erschweren, sondern mit Liebe , Hingabebereitschaft und Demut zueinander danach streben, im Himmelreich erhöht zu werden gemäß dem Schriftwort: Wer sich hier erniedrigt, der wird dort erhöht werden.

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GOTTESDIENST UND GEBET
R 8: Vom Gottesdienst

Die Priester und die Laienbrüder sollen am Tag, bei Nacht und zu den festgesetzten Gebetszeiten gemeinschaftlich zum Gottesdienst kommen. Die Priester singen und lesen aus den Brevieren und Meßbüchern, die dem Orden entsprechend geschrieben sind; die anwesenden oder auch abwesenden Laienbrüder sollen anstelle der Metten dreizehn Pater noster sprechen, für jede andere Hore sieben, ausgenommen die Vesper, zu der sie neun Pater noster beten. Dieselbe Anzahl an Vater unser sollen sie für das marianische Offizium sprechen. Den genügend gelehrten Laienbrüdern jedoch, welche von sich aus oder mit Erlaubnis des Meisters mit den Priestern die Tagzeiten und das Stundengebet Unserer Frau, sowohl Psalmen wie auch das übrige Offizium, die zum Gebet der Priester gehören, beten, sind die den Laienbrüdern gesetzte Zahl der Pater noster erlassen. Den Brüdern, welche ein Amt bekleiden, ist es erlaubt, gelegentlich vom Gottesdienst und von der geistlichen Unterredung fernzubleiben, wenn dringende Geschäfte ihres Amtes dies erfordern. Bei den Metten setzen sich die Brüder nach dem Invitatorium und dem Hymnus gemeinsam nieder; während man das Evangelium liest und die Laudes singt sowie beim Offizium Unserer Frau sollen die Gesunden stehen. In ihren Oratorien sollen sie sich zu jedem Gloria patri und zur Ehre der Heiligen Dreifaltigkeit erheben. Wenn sie stehen, werden sie beim Gloria patri eine ehrwürdige Verneigung machen. Mit Fleiß möge man darauf achten, daß niemand lispelt, mit zu lauter Stimme oder durch ordnungswidrige Kniebeugen den anderen stört, und man lege das Augenmerk darauf, daß das Herz von dem erfüllt sei, wovon der Mund spricht. Denn das Gebet krankt, wenn das Herz nicht mitschwingt (wenne daz gebet vil cranc ist ane des herzens mitedenken).

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Gebet nach dem Sonntagskapitel (Gebet 15: Perlbach, S. 133)

Brüder, ihr habt unsere Regeln, Gesetze und Gewohnheiten jetzt und zu anderen Zeiten gehört, damit ihr euch danach richtet; dies füge sich wohl, Brüder! Behaltet auch sorgsam im Auge, daß es nach der Aufnahme in diesen Orden eure Aufgabe ist, Keuschheit, Gehorsam, Armut und die guten Gewohnheiten, die bestehen oder noch entfaltet werden, zu verwirklichen. Brüder, verharrt untereinander in Wachsamkeit und Liebe, ohne welche niemand in das Himmelreich eingehen kann, und hütet euch vor Neid, Haß und allem Bösen, das euch von Gott trennen könnte. Wenn jemand vom anderen wider Gott etwas weiß, so soll er ihn in liebevoller und freundlicher Weise darüber zur Rede stellen; derjenige aber, welcher die Ermahnung und Zurechtweisung erhalten hat, möge dies dem anderen nicht vergelten. Die Brüder, denen ein Amt anbefohlen ist, mögen danach trachten, den Lohn von Gott zu erhalten. Brüder, kommt zu den Gebetszeiten, sobald die Glocke euch dazu ruft! Brüder, kommt zur Tafel und nehmt des Ordens Almosen und Gabe! Brüder, wenn jemand anwesend ist, der die Erlaubnis zum Sprechen erbitten möchte, der spreche in Gottes Namen; wenn nicht, empfehlen wir unsere Anliegen unserem Herrn Jesus Christus.

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DAS ORDENSKREUZ
R 28: Vom guten Vorbild

Wenn die Brüder unterwegs sind - gegen die Feinde ziehend oder anderer Geschäfte wegen -, werden sie sich bemühen, da sie das Zeichen der Liebe und des Ordens in der Gestalt des Kreuzes (uzwendig) tragen, den Menschen ein gutes Vorbild in Wort und Werk zu geben, um damit zu erweisen, daß Gott mit ihnen und in ihnen ist.

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DAS KAPITEL
R 27: Von der Ratsversammlung der Brüder

Wenn der Meister dieses Ordens oder seine Stellvertreter Entscheidungen treffen wollen über Ordenseinrichtungen, über Verkauf von großen und kleinen Ländereien, mit Erlaubnis des Meisters und des Kapitels, über Aufnahme von Brüdern in den Orden, so soll man alle anwesenden Brüder versammeln. Was der bessere Teil (bezzer teil) der anwesenden Brüder rät, das soll der Meister oder sein Stellvertreter befolgen. Welcher Teil aber, sollten sie in ihren Ansichten auseinandergehen, als der bessere Teil zu erachten sei, soll man dem Urteil des Meisters oder dessen Stellvertreter überlassen, aber so, daß mehr auf den geistlichen Sinn, auf die Erfahrung, die Ehrbarkeit und die Klugheit gesehen werde unter den Parteien als auf die Anzahl der Brüder. Andere kleinere Beratungen mögen sie mit den verständigen Brüdern, die sie in der Nähe haben, führen. Manche kleinere Geschäfte können sie in eigener Verantwortung erledigen.

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Gw 7: Wie der Meister und der Komtur gutem Rat folgen sollen

Wir haben die Lehre und das Vorbild der Apostel, daß es heilsam ist, gerne Rat zu suchen und diesem auch gerne zu folgen. Man liest von ihnen, daß sie vor der Weihe eines Bischofs, der Übergabe eines Dienstamtes, der Lösung einer Frage oder eines schwierigen Geschäftes der Kirche sich zur Beratung zu versammeln pflegten, obwohl sie doch die volle Gewalt unseres Herrn Jesus Christus und die Lehre des Heiligen Geistes besitzen und des Rates eigentlich nicht mehr bedürften. Darüberhinaus liest man im Evangelium unseres Herrn Jesus Christus, der selbst voll der Weisheit und Gnade war, daß er die Lehrer anhörte und befragte. Damit wies er seine Nachfolger an, selbst gerne gute Lehren anzuhören, Rat zu suchen und diesem zu folgen. Darum geziemt es sich für den Meister als Stellvertreter Christi sowie für die Komture, die ihm unterstehen, gerne und fleißig Rat zu suchen und gutem Rate geduldig zu folgen, denn es heißt im Buch er Sprichwörter: Dort ist Heil, wo viel Rat ist. Man liest auch von Mose, der voll der Weisheit als Führer des Volkes eingesetzt war, daß er trotzdem dem Rat Jetros folgte, der ihm so ungleich war an Weisheit.

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Gw 18: Das Großkapitel

Alljährlich soll am Fest Kreuzerhöhung Großkapitel gehalten werden. Dazu sollen die Komture von Armenien, Zypern und andere, welche der Meister beschließt einzuberufen, versammelt werden. Wir befehlen, daß Würdenträger, welche man mit dem Großkapitel einsetzt, jährlich in genanntem Kapitel ihre Ämter zurücklegen. In gleicher Weise befehlen wir, daß auch die Landkomture von Livland, von den deutschen Landen, von Preußen, Österreich, von Apulien, von Romanien, von Armenien Großkapitel halten und daß die mit einem Amt Betrauten ihre Ämter vor ihnen nach der bezeichneten Weise niederlegen. Sie tun dies derart, daß sie dabei zugleich die Rechnungen über die Schulden und Einkünfte sowie den Bericht über den Stand des Hauses, wie sie dasselbe vorgefunden haben und wie sie es zurücklassen, schriftlich überreichen. Die Urkunden (bullen) soll man hinter dreifachem Schloß mit drei Schlüsseln verwahren, wovon einen der Meister, den anderen der Komtur, den dritten der Schatzmeister in Gewahrsam nimmt. Sollte einer von ihnen abwesend sein, soll dessen Schlüssel einem anderen gegeben werden, der zu diesem Zweck durch Beschluß des Rates bestimmt wird.

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DIE WAHL DES MEISTERS
Gw 3: Vom Wahltag

Nach dem Tode des Meisters soll man einen bestimmten Tag und eine bestimmte Frist festlegen, welche hinreichend lang ist, die zur Wahl notwendigen Brüder zu versammeln. Vor der Wahl lese man die Regeln, die Gesetze und singe, man eine Messe vom Heiligen Geist. jeder Bruder soll fünfzehn Vater unser beten; auch soll man dreizehn Dürftige (Arme) speisen zum Zeichen der Meisterwahl und soll auch andere geistliche Menschen bitten, daß sie bei Gott darum flehen, daß man jenen Bruder wähle, der Gott gefällt und dessen Leben seinen Untergebenen ein Spiegel und eine Lehre sei. In allen Häusern des Ordens, in denen Priester anwesend sind, soll man zur Zeit, in der man hört, daß die Wahl stattfinden wird oder auch schon geschehen ist, die Messe singen und das Gebet sprechen, nachdem vorher drei Arme gespeist worden sind, da dies im Haupthause an dreizehn geschehen ist.

Gw 4: Vom Komtur, der den Zwölf bei der Wahl vorstehen soll

Ist nun der festgesetzte Wahltag gekommen und sind die Brüder nach der Gewohnheit im Kapitel versammelt, so soll der den Meister stellvertretende Bruder im Einverständnis mit dem Rate des Konventes einen Ritterbruder aus den Wahlberechtigten als Komtur bestimmen, welcher seinerseits einen anderen Bruder nach bestem Gewissen (uffe sine sele) auswählt; diese beiden sollen nun den dritten ernennen und so fort, bis dreizehn gefunden. Während man so die Wähler einzeln ernennt, mag der Konvent den annehmen, den man aufruft, oder ansonsten einen anderen bestimmen, von dem man glaubt, daß er besser zur Wahl sich eigne. Es sei jedoch zu verhüten, daß der Großteil der Wähler nur aus einem Lande kommt, sondern möge vorsehen, daß jeder aus einem anderen Land oder einer anderen Gegend genommen sei. Nachdem nun diese dreizehn vom Kapitel bestimmt wurden, sollen sie auf das heilige Evangelium schwören, daß sie weder durch Liebe noch durch Haß, sondern allein mit lauterem Herzen denjenigen wählen, den sie als den würdigsten, besten und vollkommensten Meister halten, damit er die anderen richte und behüte. (Auch setzen wir fest, daß, wer ein uneheliches Kind ist, in der Jahrbuße sich befindet, unkeusch ist oder an sonstiger Schwachheit leidet, niemals Meister werden möge.) Der Vertreter des Meisters soll darauf hinweisen, daß die ganze Ehre des Ordens, das Heil der Seelen, die Kraft des Ordenslebens, der Weg der Gerechtigkeit und die Bewahrung der Zucht an einem guten Hirten hängt und an des Ordens Haupt. Wenn nun aber ein schlechter Hirte gewählt würde, unterblieben alle diese Tugenden. Am Übel, das daraus entstünde, würden alle schuldig werden und müßten Rechenschaft ablegen am jüngsten Tag.

Gw 5: Die Wahl des Meisters

Bevor die Wahl beginnt, sollen die übrigen Brüder auf das heilige Evangelium schwören, daß sie als Meister wirklich jenen Bruder annehmen, den die Wähler gemeinschaftlich oder deren größerer Teil erwählen und ihnen zum Meister vorgeben. Wenn der kleinere Teil unter den Wählern dem großen folgt, geschieht die Wahl einmütig; man möge Entzweiungen vermeiden. Wendet aber einer nach der Wahl ein, daß er oder ein anderer für eine solche Wahl nicht gestimmt oder derselben widersprochen habe, soll dieser als ein Verräter des Kapitels aus dem Orden ausgestoßen werden. Wenn nun diese dreizehn Brüder zur Wahl schreiten und einem dünkt,daß unter jenen jemand sei, den man als den zukünftigen Meister ansehen könnte, und sich dieser Meinung einige anschließen, mögen sie dies dem Komtur wissen lassen, damit dieser jenen auffordert, sich eine Weile zu entfernen (daz er den selben heize ein lucel entwichen). Ist dies geschehen und sie wollen nicht weiter über ihn sprechen, soll er wieder gerufen werden. Wollen sie aber weiter über ihn beraten, so sollen sie ihn zum Konvente schicken und einen anderen wählen, der an seine Stelle tritt. Denjenigen, der neu hinzukommt, möge man mit denselben Gelübden zum Wähler bestimmen, wie vorausgehend beschrieben.

Gw 6: Der Wahlvorgang

Die erste Stimme bei der Wahl gebührt dem Wahlkomtur, welcher nach seinem Gewissen zum Ersten denjenigen wähle, der ihm der beste und würdigste Meister zu sein scheint. Daraufhin soll er von jedem dies mit besonderem Nachdruck fordern. jeder wird darauf mit lauterem Herzen sagen, wen er zum Meister wählt. Wenn nun dies vollzogen und die Gesamtheit oder die Mehrheit der Stimmen auf einen gefallen ist, so gilt die Wahl als beendet. Sogleich komme man zum Konvent und verkünde dort, daß man gemeinsam den Bruder N. zum Meister erwählt habe. Zugleich sollen die Priesterbrüder festtäglich das Te Deum laudamus anstimmen und die Glocken läuten. Der Stellvertreter des Meisters soll den nunmehr neuerwählten Meister zum Altar führen. Dort wird er ihm vor allen Brüdern das Amt des Meisters mit der Obergabe des Ringes und des Siegels übertragen und ihn ermahnen wie daran erinnern, in jener Weise der Leitung des Hauses und dem Orden vorzustehen, daß er am Jüngsten Tag vor Gott stehen und den Lohn nach seinen Werken empfangen werde. Daraufhin soll der Meister den Priesterbruder und dem, von dem er den Ring und das Siegel erhalten hat, den Bruderkuß erteilen. Ist der neuerwählte Meister nicht anwesend, soll man dennoch seine Wahl bekanntgeben, das Te Deum laudamus singen und die Glocken läuten. Man rufe den Gewählten und vollziehe den eben beschriebenen Ritus, sobald er kommt.

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DIE GEISTLICHE AUFGABE DES MEISTERS
R 34: Von der Sorge des Meisters um die Brüder

In der Bundeslade waren der Stab und das himmlische Manna hinterlegt als Weisung, daß die Führer zwei Eigenschaften haben sollten: liebenswürdige, beratende Großherzigkeit und gerechte, strenge Zucht. Darum soll auch der Meister, der allen vorzustehen hat und sich selbst allen Brüdern als ein Vorbild in den guten Werken darstellen muß, die Unruhigen strafen, sich der Kranken annehmen, die Kleinmütigen trösten und ihnen geduldig entgegenkommen, um so in der Hand zugleich die Rute und den Stab zu tragen nach des Propheten Wort; die wachsame Rute, damit er selbst Wache sei über seine Herde zur Nachtzeit, den tödlichen Schlaf der Trägheit und die Versäumnis der heiligen Regel und allen Ungehorsam züchtige mit dem Eifer der Gerechtigkeit; - den Stab aber: dieser soll sein die väterliche Sorge und Güte, mit der er der Gebrechlichkeit zu Hilfe kommen soll und diejenigen stärken, die schwachen Mutes sind und von Traurigkeit gebrochen, auf daß sie nicht in Verzweiflung und ungetröstet zugrunde gehen.

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AUTORITÄT DER OBEREN
G 29: Über den Gehorsam

Da wir durch den Gehorsam dahin zurückkommen müssen, von wo wir uns durch den Ungehorsam entfernt haben, sollen die Brüder demütig gehorsam sein und in allen Dingen den eigenen Willen brechen. Man befleiße sich, durch Strafen, durch Rüge und strenge Buße die Widerspenstigen zu beugen, denn wenn man die Hartnäckigen (mulichen) duldet, wird die Kraft des Ordens geschwächt. Auch ist zu beachten, daß des Oberen Befehl oder Geheiß Geboteskraft besitzt, und wer dies wissentlich übergeht, verfällt der gleichen Buße wie derjenige, der die Gebote übertritt.

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FAMILIARENINSTITUT

Damit der Orden mehr Leuten nütze gestatten wir, weltliche Personen ob verheiratet oder ledig als Familiaren in den Orden aufzunehmen. Die Aufgenommenen sollen in ihrer Person und in ihrem Besitze unter der Leitung der Brüder stehen und ihr Wandel soll hinfort geziemend ehrbar sein, so dass sie nicht bloß öffentliche Sünden vermeiden, sondern auch unerlaubte Geschäfte oder solchen Erwerb nicht ausüben. Sie sollen Kleider von geistlicher Farbe tragen aber nicht mit dem ganzen Kreuze.
Wenn sie verheiratet sind soll nach dem Tode des einen Ehegatten die Hälfte aller Güter dem Orden zufallen, die andere Hälfte dem überlebenden Teile zum Lebensunterhalte verbleiben. Nach dem Tode des zweiten Ehegatten soll dem Orden alles zufallen. Auch die nach der Zeit ihrer Verpflichtung solchen Mitbrüdern zufallenden Gewinne gehören dem Hause. Das sei aber dem Urteil und der Klugheit der Landkomture überlassen. Diesen gestatten wir auch unter anderen Bedingungen aufzunehmen, wenn sie es für gut befinden.

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AUFNAHMERITUAL (Perlbach S.127)

Hat der Meister und die ihm zu Rate stehenden Brüder gestattet, irgend jemand in den Orden aufzunehmen, so sollen sie einen Bruder aus dem Kapitel zu dem, der in den Or-den aufgenommen werden möchte, schicken und ihn unterrichten, wie er um Aufnahme bitten soll: Wenn er in das Kapitel kommt und vor dem Meister oder dessen Stellvertreter kniet, wird er um Gottes und der Seele willen um Aufnahme bitten. Der Meister wird so antworten: Die Brüder haben eure Bitte erhört, gesetzt den Fall, daß ihr kein Hindernis habt im Zusammenhang der Dinge, um die wir euch nun befragen. Fürs erste fragen wir, ob ihr euch bereits an einen anderen Orden gebunden habt oder durch die Ehe an ein Weib gebunden seid, ob ihr an einem geheimen Siechtum leidet oder mit irgendwelchen Schulden behaftet seid, ob ihr Rechenschaften abzulegen habt, durch welche dem Orden Belastungen entstehen würden, ob ihr Leibeigener eines Herrn seid, mit dem Hinweis, daß das Verschweigen eines dieser Hindernisse im nachhinein den Ausstoß aus der Gemeinschaft des Ordens bedeutet. Verspricht der Bittende aber, dieser Hindernisse frei zu sein, so soll der Meister folgende Forderungen an ihn stellen, um ihn in die Gemeinschaft aufnehmen zu können. Das erste ist, zu geloben, den Kranken zu dienen; das Heilige Land und andere Länder, die dem Orden untergeben sind, gegen die Feinde Gottes zu verteidigen, so man dazu gerufen wird - dies das zweite; das dritte, daß ein Bruder, wenn er zu einem Amt geeignet erscheint, sich beim Meister anbietet und das Amt daraufhin nach dessen Willen und der ihm zu Verfügung stehenden Macht ausübe; ferner soll er geloben, die Geheimnisse der Kapitel und den heimlichen Rat zu verschweigen und nicht, ohne auf die rechtmäßige Weise um Erlaubnis gebeten zu haben, von diesem Orden in eine andere Lebensweise überzutreten, ohne dabei die Regeln und Gewohnheiten des Ordens zu beachten. So dies gelobt wird, soll er zur Probezeit zugelassen werden, wenn danach der Wunsch besteht. Wenn nicht, möge man darauf verzichten, die Hände auf das Evangelienbuch legen und folgende Worte sprechen:

Ich gelobe und verspreche Keuschheit des Leibes, ohne Eigentum zu leben und Gehorsam Gott und Sankt Marien sowie dem Meister des Ordens vom Deutschen Haus und seinen Nachfolgern nach der Regel und der Gewohnheit des Ordens des Deutschen Hauses und daß ich gehorsam sein will bis in denTod.

Wenn aber ein Stellvertreter des Meisters die Aufnahme vornimmt, so nehme dieser dieselben Gelübde entgegen mit oben genanntem Wortlaut. Nachdem dies geschehen ist, möge man ihm nach unserer Gewohnheit im Kapitel das Ordenskleid überreichen. Nimmt der Bittende aber die Probezeit an, so soll dies geschehen nach der Anordnung des Meisters und der Brüder. (Den Brüdern, die man in den Orden aufnimmt, soll Wasser und Brot versprochen werden und alte Kleider. Dasselbe soll jenen Brüdern gegeben werden, die ihr Amt nicht ausüben wollen, so lange, bis sie es gerne tun entsprechend ihrer Fähigkeit und ihrer Oberen Anordnung.)

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