Staatliche Strukturen

Die rasche und weiträumige Ausdehnung des Ordensbesitzes während der ersten Hälfte des 13. Jh. brachte es mit sich, dass die staatliche Struktur des Ordens durch die Aufteilung in drei weitgehend unabhängig voneinander agierende Territorialkomplexe gekennzeichnet war:

Einerseits die Ordensterritorien Livland und Preußen (der Ordensstaat im eigentlichen Sinne mit einer Gesamtfläche von ca. 180 000 km²) in denen der Orden Landesherr war;
andererseits die über das ganze Reich und Teile des Mittelmeerraums verstreuten zahlreichen Besitzungen (Kommenden, Güter, Spitäler, Patronate etc.).

1. Livländischer Bund
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Die Struktur des aus fünf geistlichen Territorien gebildeten Livländischen Staatenbundes geht auf den Erzbischof von Riga-Üxküll und seinen Schwertbrüderorden zurück und wurde vom Deutschen Orden weitgehend übernommen.

Deutscher Orden: 67000 km² (55000km²)¹ Off. Bezeichnung: Deutscher Orden
Ebm. Riga: 19000 km²     zu Livland
Bm. Dorpat: 9600 km² Sitz d. Landmeisters: Wenden
Bm. Ösel-Wiek: 7600 km² Einwohner (16.Jh): 650 000
Bm. Kurland: 4600 km² Eigentliches Ordensgebiet unterteilt in Komtureien, Vogteien, Pflegen. Speziell für den Landmeister und den Landmarschall von Livland abgesonderte Gebiete.
Stadtmark Riga: 800 km²

In Summa: 108500 km²

¹ In das Ordensgebiet eingerechnet ist das als Hzm. Estland firmierende und kirchenrechtlich zum Ebm. Lund gehörige nördliche Estland, welches 1219 von Dänemark unterworfen wurde, danach an die Schwertbrüder übergeben, 1237 nach Übernahme durch den DO an Dänemark zurückgegeben und 1346 endgültig von Dänemark für 19000 Mark gekauft wurde.

2. Ordensland Preußen
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Im Gegensatz zum territorial völlig stabilen Livland, war Preußen im Laufe seiner dreihundertjährigen Ordensgeschichte stärkeren territorialen Veränderungen unterworfen:

Ereignis Ordensgebiet
Ausgangsgebiet Kulmerland 1226/30: 4 - 5 000 km²
Ordensland bis zur endgültigen Unterwerfung der Pruzzen 1283: 45 000 km²
Erwerbung Pommerellens 1309 (+Bütow und Lauenburg): 61 000 km²
Ordensgebiet nach dem 2. Thorner Frieden 1466: 35 000 km²
   
zeitweilige Erwerbungen: Gotland 1398-1408 3 140 km²
  Hzm. Dobrin 3 - 4 000 km²
  Neumark 1402-1455 7 900 km²

bis 1309 und 1317-24 mit einem eigenen Landmeister (Magister Pruscie) an der Spitze.
Sitz des Landmeisters: Thorn, Elbing
Seither vom Hochmeister und der Zentralregierung direkt verwaltet.
Komtureibezirke. Größere Komtureien waren nochmals in Vogteien und Pflegeämter unterteilt. Die Gebiete wurden im Laufe der Jahre öfter geändert, Vogteien aus- und eingegliedert, auch Komtureien zusammengelegt.

Komtureien
Althaus Balga Birgelau Brandenburg Christburg
Danzig Elbing Engelsburg¹ Gollub Graudenz
Königsberg Kulm Lippinken² Marienburg Memel
Mewe Nessau³ Osterode Papau Ragnit
Rehden Rhein Roggenhausen 4 Schlochau Schönsee
Schwetz Strasburg Thorn Tuchel Brattian 5

1 wurde 1416 aufgehoben und teils mit Rehden, teils mit Dirschau verbunden
2 später mit Schönsee vereinigt
3 wurde 1435 an Polen abgetreten
4 in der ersten Hälfte des 14. Jh. in Vogtei umgewandelt
5 Vogteibezirk Brattian und Stadt Neumark

3. Ordensbesitz im Heiligen Römischen Reich
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weit verstreute aber reiche Kommenden mit verschiedenartigsten Besitzkomplexen, Patronaten, Spitälern mit dem vom Ordenskapitel gewählten Deutschmeister (Meister zu deutschen und welschen Landen - Magister Germaniae) an der Spitze.
Sitz des Deutschmeisters: Horneck, Mergentheim
Zur besseren Handhabung der Verwaltung in dem riesigen Gebiet wurden als Zwischenstufe jeweils mehrere Kommenden zu Balleien mit einem Landkomtur an der Spitze zusammengefasst:

Balleien
Apulien Armenien Böhmen-Mähren
Bozen Champagne¹ Deutschmeistertum
Elsaß-Burgund Franken Koblenz
Lamparten Lothringen Marburg
Österreich Partes Inferiores Romanien
Sachsen Sizilien Spanien
Thüringen Thüringen-Sachsen² Westfalen

1 Verwaltung durch die Ballei Elsaß-Burgund
2 anno 1287 getrennt

Im Laufe des 14. Jh. wurden die reichsten Balleien der Kontrolle des Deutschmeisters entzogen und als Kammerballeien direkt dem Hochmeister unterstellt:
1324 Böhmen-Mähren, Bozen, Koblenz, Österreich
1388 Elsaß-Burgund