Vorwort

In der Idee bestärkt, einem meiner historischen Lieblingsthemen eine eigene Website zu widmen, wurde ich durch die weitgehende Kenntnislosigkeit dieses wichtigen Kapitels deutscher Geschichte in meinem gesamten Umfeld ("Deutscher Orden? Staat des Deutschen Ordens?! Noch nie gehört.") sowie zusätzlich durch bewusst tendenziöse Darstellungen des Ordens im Rahmen der bundesdeutschen "Erinnerungs- und Bewältigungskultur" sowie nationalpolnischer Geschichtsschreibung und deren Apologeten hierzulande. ("Ganz schreckliche Leute" - O-Ton Margarethe von Trotta).

Während der Arbeit wurde mir aber mehrfach bewusst, dass ich die Komplexität des Themas offensichtlich unterschätzt hatte, obwohl ich mich bis dato schon für einen halbwegs guten Kenner der Ordensgeschichte hielt. Außerdem stellte sich durch langfristige, geduldige Internetrecherche heraus, dass es im Weltnetz durchaus achtbare und nicht einmal wenige Ausarbeitungen auf diesem Gebiete gibt. Oftmals sind sie versteckt zu finden auf den Seiten von Vertriebenen, die ihrer Heimat ein Denkmal setzen wollten. Oder aber sie finden sich in Unterabteilungen zur Territorialgeschichte verschiedener Universitäten, dann jedoch meist in einer Darbietungsform, die den interessierten Laien kaum zum Verweilen einlädt: Alles in allem sehr zersplittert und spezialisiert. Die Gesamtdarstellung der Ordensgeschichte auf den Seiten des Deutschen Ordens selbst schien mir etwas knapp gehalten.

Ich habe mich daher bemüht eine Darstellungsform zu wählen, die nicht nur einer Liste nach Art eines tabellarischen Lebenslaufes entspricht, auf der anderen Seite aber nicht der fünfzigbändigen Reihe "Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens" Konkurrenz machen möchte. Diese Seiten richten sich an den interessierten Laien und sollen dazu dienen, ein besonders spannendes, wichtiges und meiner Meinung nach weitgehend positives Kapitel deutscher Geschichte der zunehmenden Vergessenheit wieder zu entreißen. Ich habe nämlich in den letzten Jahren zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es erwünscht sei, die deutsche Geschichte und die Beschäftigung mit derselben an der jetzigen Ostgrenze der BRD enden zu lassen, wenn nicht überhaupt nur ein bestimmtes Zeitfenster für Geschichtsbetrachtung zuzulassen.
(Die deutsche Geschichte hat bekanntlich nur eine Zeitdauer von zwölf Jahren, ganz gleich wieviel Zeit verstreicht. Die zwei Jahrtausende davor, so es sie denn überhaupt gab, waren lediglich ein bewusstes und zielgerichtetes Hinarbeiten auf eben jene zwölf Jahre. Ein erstaunliches Phänomen, wohl nur durch ein quantenphysikalisches Paradoxon erklärbar.)

Damit mir die Sache nun nicht völlig über den Kopf wächst, liegt der Schwerpunkt dieser Darstellung auf dem Ordensstaat im Baltikum, die Entwicklung des Ordens im Mittelmeerraum, im Heiligen Römischen Reich sowie ab 1561 wird dagegen nur am Rande behandelt. Hier sei auch gleich darauf hingewiesen, dass ich mit meiner Darstellung immer noch nicht fertig bin. Zu den Themenkomplexen "Aufstieg und Blütezeit" sowie "Niedergang und Spätzeit" (den eigentlichen Hauptthemen!) sind bisher lediglich die Überblicke und Einzeldarstellungen fertig. (Ich hoffe aber, beide Themengebiete noch dieses Jahr zu vervollständigen.) Dies ist überwiegend der Tatsache geschuldet, dass die anderen Bereiche einen hohen Aufwand an Recherche benötigten. Dies betrifft vor allem die Geschichte der Kreuzzugsbewegung, ohne die der Orden und seine Staatsbildung völlig undenkbar sind.

Des weiteren scheint es mir sinnvoll die außerordentlich erfolgreiche Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik des Ordensstaates noch tiefgehender zu behandeln, zumal wir gerade in einer Zeit des weltweiten Aufstandes der Reichen gegen die Armen leben in dessen Gefolge die für ein erfolgreiches Gemeinwesen ungemein wichtige Gestaltungs- und Regulationskraft des Staates zunehmend schwindet, während in die entstandenen Leerräume Kräfte vordringen, deren kriminelle Energie jeden mittelalterlichen Strauchritter und Leuteschinder zum armseligen Amateur werden lässt.

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