Ordenshäuser

Der Natur des Ordensgebietes entsprechend waren diese Burgen der Regel nach in der Ebene liegende Wasserburgen. Wenn auch den da nur vorhandenen mäßigen Anhöhen der Vorzug gegeben wurde, so suchte man doch schon der anzulegenden Mühlen wegen die Verbindung mit dem Wasser, welches dann auch etwa durch Stauwerke in die Ringgräben gebracht werden konnte. Da somit eine besondere Gestaltung des Baugrundes nicht, wie vorhin gezeigt, zu einer entsprechenden Anordnung der Burgbauten Anlass gab, andererseits ungewöhnlich umfängliche Wohnräume notwendig waren, so führten beide Umstände dazu, dass der Hauptteil der Ordensburgen fast immer aus einem einen annähernd quadratischen Hofraum umschließenden Gebäudeviereck bestand, so in Papau, Marienburg, Gollub, Marienwerder, Rehden usw.

1. Rehden

Rehden-GrundrissEin Beispiel dieser regelmäßigen Anlagen bietet auch das im ersten Jahrzehnt des 14. Jahrh. erbaute Schloss R e h d e n, jetzt Ruine, 18 km östlich von Graudenz (zum Schutze des Kulmischen Landes auf Grundlage einer unter Landmeister Hermann Balk 1234 errichteten Holzburg). Der quadratische Hauptbau ist von einem ebensolchen 10 m breiten Zwinger und dann von einem 21 bzw. 35 m messenden Graben umgeben, der nach außen durch eine 1,9 m starke (Futter-) Mauer eingefasst wird. Im Süden war eine Vorburg, 79 zu 154 m weit, vor7 gelegt, deren gleichfalls 1,9 m dicke Ringmauer zum Teil noch durch angebaute gewölbte Stallungen verstärkt war. Östlich erstreckte sich eine kleinere Vorburg zwischen dem Ringgraben und einem See, dessen früher höheres Wasser sowohl die Vorburgen für sich als mittels des Ringgrabens die Hauptburg umgab. Der von Norden kommende Weg zog sich durch die beiden Vorburgen ins Schloss.

In der nordwestlichen Ecke lag ganz ausnahmsweise ein nur noch im Fundament erhaltener mächtiger achteckiger Bergfried, vom benachbarten Mauerwerk abgesondert. Unter dem Dach des Ordenshauses lief nach noch vorhandenem Rest jedenfalls ringsum ein Wehrgang. Nur die vorhin genannten drei Haupträume sind bis zu ihren Gewölbeanfängen einigermaßen erhalten. Unter denselben liegen der Keller und ein Erdgeschoss, beide niedrig und mit einfachen Kreuzgewölben überspannt. Das Eingangsportal hat zu beiden Seiten des Tores unter einem Spitzbogenfries eine Nische und wird besonders durch die über diesem Tore selbst hoch aufsteigende i m tiefe Nische zu monumentaler Wirkung gebracht. Zu wesentlichem Schmuck aber diente dem ganzen stattlichen Schlossbau die durch schwarze Ziegel (auf rotem Grunde) hervorgebrachte netzförmige Verzierung, welche die ganze Außenseite der 28,6 m hohen Ecktürme, sowie den oberen Teil der Hauptfassade bedeckte. Ebenso waren die hofseitigen Wände innerhalb des Umganges mit abwechselnd gelb und grün glasierten Ziegeln bedeckt.

2. Gollub

Die Ordensburgen entbehrten der Regel nach eines Bergfrieds, der bei der großen Zahl der Bewohner doch jedenfalls als Rückzugswerk nicht hätte dienen können. Selbst die stärkere Entwicklung eines der vier Ecktürme fand in der Regel - so bei Papau und Schwetz - nicht statt. Bei G o l l u b , welches auf einem Bergrücken liegt, ist der eine der nicht starken Ecktürme des 38 m langen Gebäudevierecks um ein weniges von diesem abgerückt und war mit dem vierten Stockwerk desselben durch eine Brücke verbunden. Die fast völlig zerstörte Ordensburg auf dem Schlossberge bei G r a u d e n z scheint ihrer Anlage nach mehr anderen deutschen Höhenburgen geglichen zu haben und hatte so auch einen im Burghofe stehenden (noch erhaltenen) runden Bergfried ("Klimmek" genannt) von 3,50 m Mauerstärke bei 2,50 m lichter Weite, mit hochgelegenem Eingang, überwölbten Geschossen und einer Wendeltreppe in der Mauerdicke. Über dem ursprünglichen Eingang zeigt derselbe (anscheinend ganz aus Ziegeln erbaut) außen, soweit nicht andere Bauten anstießen, über je 10 Lagen roher Ziegeln weitere 10 Lagen, bei welchen grün glasierte mit rohen abwechseln.

Gollub / Drewenz
3. Balga

Balga am Frischen Haff: Ruine der Vorburg

1239 stürmten die Ordensritter die pruzzische Burg Honeda, übernahmen sie und bauten sie als Balga weiter aus. An entscheidender strategischer Stelle gelegen (Der Besitz der Burg garantierte die für den Orden einzige sichere Zufuhr des Nachschubs auf dem Seeweg und war gleichzeitig Einfallstor ins Innere Preußens.) erfolgte ab 1251 der planmäßige Ausbau zum Komtureischloss. Der Grundriss folgte hier den natürlichen Vorgaben und nicht der üblichen rechteckigen Form. Die Ordensburg Balga war während der Kolonisationsphase Preußens im gesamten 13. Jh. eine der wichtigsten Säulen der Herrschaft des Ordens und, während der großen Pruzzenaufstände heftig umkämpft, oft eine seiner letzten Bastionen. Mit dem Ende der Ordensherrschaft im 16. Jh. begann der allmähliche Verfall der Anlage.


Balga: Ansicht von der Seeseite (Stich des 17.Jh.)
4. Ordenshäuser im Reich

Die Ordensschlösser im Heiligen Römischen Reich gehen weniger auf Neugründungen als auf mehrheitlich schon bestehende und zumeist durch Schenkung in Ordensbesitz gelangte Anlagen zurück. Diese Bauten unterscheiden sich daher meist kaum von der sonst vorherrschenden Feudalarchitektur.


Burgprozelten am Main
 
Koblenz: Deutsches Haus                         Burg Kriegshoven bei Bonn
Weitere Beispiele

Kommende Altenbiesen bei Maastricht
 
Kapitelschloss Marienwerder (Pomesanien)                                     Burg Narwa in Estland
(im Vordergrund der Dansker)                   äußerster nordöstl. Vorposten d. Ordensstaates

Burg Ragnit an der Memel (Grundriss)
Das Ordenshaus Ragnit war die bedeutendste Grenzfestung des Ordensstaates gegen Litauen
und häufig Ausgangspunkt von sogenannten "Litauerreisen".