Überblick

Als sich nach dem Scheitern in Ungarn für den Deutschen Orden die Möglichkeit eines Einsatzes gegen die Pruzzen eröffnete, gelang es dem damaligen Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza, auf Grund seiner guten Beziehungen zum Papst und zu Kaiser Friedrich II., den Ordensrittern eine sehr günstige staatsrechtliche Ausgangsposition zu verschaffen. Mit der im März 1226 in Rimini ausgestellten Goldbulle bestätigte Friedrich II. dem Orden landesherrliche Hoheitsrechte sowohl für jene Gebiete, die der Herzog von Masowien den Ordensrittern als Ausgangsbasis zugestehen würde, als auch für die zu erobernden pruzzischen Gebiete. Zugleich wurde eine Oberhoheit des Kaisers für diesen Herrschaftsbereich in Anspruch genommen, der Orden aber von allen Verpflichtungen gegenüber dem Reich befreit, so dass er für sein Vorhaben eine außergewöhnliche Sonderstellung erlangte. Die formale, zu nichts verpflichtende Zugehörigkeit zum Reich sowie die 1234 vollzogene Unterstellung unter päpstlichen Schutz gewährleisteten die Unabhängigkeit gegenüber dem polnischen Herzog, der den Orden ursprünglich zur Ausweitung seines eigenen Herrschaftsbereiches benutzen wollte. 1229/30 trafen die ersten Ordensritter im Kulmerland ein, das der polnische Herzog dem Orden überließ. Bis 1232 sicherten sich die Ritter mit der Anlage der Burgen Thorn und Kulm die ersten Stützpunkte auf dem östlichen Weichselufer.
Die Ordensritter erkannten von Anfang an, dass sie allein niemals die Herrschaft über ein größeres Gebiet durchsetzen und behaupten konnten. Deshalb zogen sie deutsche Bürger und Bauern zur Stabilisierung ihrer Eroberungen und zur Steigerung der Ertragsfähigkeit der gewonnenen Gebiete heran. Bei den Burgen Thorn und Kulm wurden Städte gegründet, denen der Hochmeister Ende 1233 in der sogenannten Kulmer Handfeste das Magdeburger Recht und weitere Vergünstigungen zugestand, um den Zuzug deutscher Einwanderer zu fördern. Im Jahre 1237 erreichten die erobernden Ritter das Frische Haff, wo im Zusammenwirken mit Lübecker Kaufleuten neben einer Burg die Stadt Elbing gegründet wurde. Allerdings blieb diese Neugründung in wirtschaftlicher Hinsicht stets im Schatten des alten slawischen Handelsplatzes Gdansk (Danzig), der bald nach 1235 vom Herzog von Pommerellen ebenfalls Lübecker Stadtrecht erhielt.
Im Jahre 1237 konnten die Ordensritter ihre Machtposition dadurch erweitern, dass sich der Schwertbrüderorden, der 1236 von den Litauern schwer geschlagen worden war, mit dem Deutschen Orden vereinigte. Der livländische Ordenszweig geriet danach in Konflikt mit dem russischen Fürstentum Nowgorod. Im April 1242 gelang es dem Nowgoroder Fürsten Alexander Newski, der zwei Jahre vorher bereits ein schwedisches Erobererheer an der Newa geschlagen hatte, den Ordensrittern auf dem zugefrorenen Peipus-See eine schwere Niederlage zuzufügen.
Dieser Misserfolg des Ordens sowie Streitigkeiten mit dem Herzog von Pommerellen lösten bei den mit äußerster Härte niedergeworfenen Pruzzen eine umfassende Erhebung aus. Es dauerte etwa sieben Jahre, bis die Ordensritter mit Unterstützung deutscher Adliger, die als Kreuzfahrer geworben worden waren, der Erhebung einigermaßen Herr wurden. Die Kämpfe endeten mit dem Frieden von Christburg im Februar 1249, einem durch die Kurie vermittelten Kompromiss, der die Pruzzen zur Übernahme des Christentums und zur Anerkennung der Herrschaft des Ordens verpflichtete, ihnen jedoch zugleich die persönliche Freiheit und die Verfügungsgewalt über ihren Besitz zusicherte.
Nach der Niederwerfung des Aufstandes sicherte der Orden seinen sich ständig weiter ausdehnenden Besitz durch die Anlage zahlreicher Burgen und die Gründung neuer Städte, so der Städte Memel 1253 und Königsberg 1255. Versuche, die sehr schmale Verbindung zwischen dem preußischen Gebiet und den Besitzungen aus dem Erbe der Schwertbrüder zu erweitern, wehrten die Litauer erfolgreich ab. Eine Niederlage, die das Ordensheer bei diesen Auseinandersetzungen 1260 erlitt, löste erneut eine große Aufstandsbewegung der Pruzzen und der ostbaltischen Stämme aus. Bis 1283 dauerten die Kämpfe zur endgültigen Unterwerfung der Pruzzen. Sie verloren jetzt die ihnen im Jahre 1249 zugestandenen Vergünstigungen. Damit war am Ende des 13. Jh. der Bestand des Ordensstaates gesichert.