Die Schlacht auf dem Eise des Peipussees
am 05. April 1242

Die Rezeption der Schlacht auf dem Peipussee dürfte sich bei den meisten Zeitgenossen auf die Erinnerung an Eisensteins und Prokofjews genialisches Machwerk "Alexander Newski" von 1938 beschränken, in der bildgewaltig die bösen Deutschen sengend und kindermordend durch russische Lande toben. (Die Zeitbezogenheit geht sogar soweit, die gekreuzten Himmelsschlüssel auf der Mitra des Bischofs sehr deutlich in Form eines Hakenkreuzes darzustellen; ganz abgesehen von den Stahlhelmen des Fußvolks). Bei so manchem "Kenner" der Geschehnisse spürt man, dass er diese Bilder im Hinterkopf und den Film offenbar als Dokumentation konsumiert hat. (Hannes Heer z.B. würde sicher keine Sekunde zögern, den Film als eindeutigen Beweis deutscher Kollektivschuld und Bestialität nutzbar zu machen.)

Die Problematik bei diesem Ereignis besteht darin, das außer einer mittelalterlichen russischen Reimchronik keinerlei sonstige Quellen existieren, die diesen Kampf überhaupt nur erwähnen. Diese Dürftigkeit der Quellenlage fiel schon im Mittelalter auf, so dass Hochmeister Konrad von Erlichshausen als sich die Schlacht zum zweihundertsten Male jährte, eigens eine Expedition nach Livland und zum Peipussee aussandte um Näheres über jenen rätselhaften Alexander Newski in Erfahrung zu bringen. Das Ergebnis war gleich Null: Trotz intensiver Suche an den Orten des Geschehens, der Befragung Ortsansässiger nach Sagen und Legenden über die Schlacht; niemand vor Ort hatte auch nur den blassesten Schimmer von der Begebenheit.

Gegen die Tatsache, dass es sich bei dieser Schlacht um ein größeres militärisches Ereignis handelte, sprechen folgende Punkte:

1. Die Quellenlage

2. Erst sechs Jahre zuvor war der Schwertbrüderorden fast völlig vernichtet worden und anhand ähnlicher Ereignisse kann man feststellen, dass es längere Zeit dauerte bis sich der Orden in seinem Personalbestand soweit erholt hatte, um wieder zu größeren militärischen Unternehmungen fähig zu sein.

3. Zu dieser Zeit befanden sich keine Kreuzfahrer im Land, ohne die der Orden ohnehin keine großen Feldzüge durchführte (Der Anzahl der Ordenritter ging beim gesamten Deutschen Orden nie über 400-450 hinaus).

4. Die russische Chronik selbst: Darin wird nämlich erwähnt, dass das Ordensheer in Form eines Keils angegriffen habe. Dies bedeutet, dass es sich nur um durch Ordenszucht disziplinierte Ritterbrüder gehandelt haben kann. Denn bei großen Schlachten pflegte der Befehlshaber seine Ritter, die größtenteils mittel- und westeuropäische Gäste und Kreuzfahrer waren, in langen Linien aufzustellen, denn es war der Ehre eines freien Ritters abträglich hinter einem anderen Aufstellung zu nehmen. Außerdem wird in der Chronik das Zahlenverhältnis der beiden Heere sehr zu ungunsten des Ordens angegeben: Auf einen Ordensritter sollen sechzig Russen gekommen sein.

5. Die Folgenlosigkeit der Schlacht für Livland und den Orden. Der noch im Sommer 1242 erfolgte Friedensschluss erwähnt als einzige Bedingung den Gefangenenaustausch.

Es bleibt also festzuhalten, dass es sich bei der "großen Schlacht" doch wohl eher um einen begrenzten Konflikt handelte, der zu einem Großereignis aufgebauscht wurde, an welchem die oft gekränkte russische Seele von Zeit zu Zeit sich moralisch emporranken konnte.

So bleibt an dieser Stelle nur den Inhalt der russischen Chronik wiederzugeben:

Die Auseinandersetzungen begannen im Sommer 1240, als die Ordensritter die nahe der livländischen Grenze gelegene Stadt Isborsk belagerten und eroberten, das herbei geeilte Pleskauer Entsatzheer schlugen und bis vor die Mauern Pleskaus verfolgten.

Im Winter 1240/41 überschritten Ordenstruppen die Narwa, besetzten Ingermanland und errichteten zur Absicherung die Festung Koporje. Danach wandten sie sich nach Südosten und und rückten bis kurz vor Nowgorod vor.

1241 erschien das Ordensheer, diesmal verstärkt durch dänische und estnische Hilfstruppen erneut vor Pleskau. Nach kurzer Belagerung kapitulierte die Stadt, musste Geiseln stellen und eine Besatzungstruppe akzeptieren.

Jetzt entsandte Jaroslaw der Großfürst von Wladimir seinen Sohn Alexander Newski mit starken Hilfskräften nach Nowgorod. Noch 1241 eroberte und zerstörte er Koporje und vertrieb die Kreuzritter wieder aus Ingermanland. Im März 1242 wandte er sich gegen Pleskau, schloss die Stadt ein, eroberte sie und nahm die Besatzungstruppe des Ordens gefangen.

Der Orden versammelte seine mit Hilfstruppen aus Ingermanland verstärkten Kräfte nunmehr südlich von Dorpat. Ein russischer Vorstoß auf Isborsk scheiterte, während die Hauptstreitmacht des Ordens gegen den Peipussee vorrückte. An dessen Ostufer wurde sie bereits von Alexander und dessen Heer erwartet.

Am Morgen des 5. April 1242 begann die Schlacht mit dem Angriff des Ordensheeres. Die in Keilformation antretenden Ritter durchstießen das Zentrum der russischen Schlachtordnung, jedoch brach sich ihr Ansturm am steilen Ostufer des Sees und blieb liegen. Gleichzeitig rückten die Flügel des russischen Heeres vor und nahmen die Ordensritter in die Zange. Als sie schließlich noch eine Abteilung Alexanders im Rücken angriff war die Schlacht entschieden. Unter Teilen des zusammengedrängten Ordensheeres brach das Eis und viele Ritter ertranken. Andere Teile versuchten nach Westen durchzubrechen, wurden aber von den siegreichen Verfolgern niedergehauen. Die übrigen gerieten in Gefangenschaft.