Preußen 1226-1283

Vorgeschichte

Erste Versuche Preußen zu christianisieren gab es bereits während der Regierungszeit des Polenherzogs Boleslaw des Tapferen (992-1025). Nach dem gewaltsamen Tod der Missionsbischöfe Adalbert von Prag 997 und Bruno von Querfurt 1009 kamen diese Bestrebungen für zwei Jahrhunderte zum Erliegen.
Erst ab 1206 waren, vom Kloster Lekno ausgehend, wieder ernsthafte Bemühungen in Sachen Preußenmission zu verzeichnen. Erste Bekehrungserfolge gab es im Kulmerland. 1215 wurde für Preußen ein eigenes Bistum errichtet mit Bischof Christian an der Spitze. Parallel dazu entstand aus dem Gegensatz zwischen den Pruzzen und den nordpolnischen Feudalherren ein ernster Konflikt: Letztere verstanden nämlich die Heidenmission als Freibrief dafür von den frisch Getauften sofort Abgaben und Frondienste zu verlangen, was andererseits zu heftiger Gegenwehr führte. In seinen Missionsbestrebungen bedroht, erwirkte Bischof Christian 1217 vom Papst die Genehmigung zum Schutze der christianisierten Gebiete auch Kreuzfahrer heranzuziehen.
1221 drang ein Kreuzfahrerheer unter Führung polnischer und deutscher Feudalherren und Geistlicher in die pruzzischen Gebiete vor ohne jedoch Erfolge verzeichnen zu können.
1224 begannen die Pruzzen ihrerseits mit der Gegenoffensive: Binnen kurzer Zeit waren das Kulmerland und Masowien vollständig besetzt, verheert und weitgehend entvölkert sowie die mühsam aufgebaute preußische Kirchenorganisation zerstört. Mit Mühe behaupteten die Masowier noch ihren Hauptort Plock an der Weichsel. In dieser Situation blieb Herzog Konrad von Masowien nur noch die Hoffnung auf Hilfe von außen und bat Ende 1225 den Deutschen Orden um Eingreifen. Im Gegenzug wolle er ihm das Kulmerland überlassen.

Die Goldbulle von Rimini

Das Hilfeersuchen, sehr ähnlich lautend dem von Ungarnkönig Andreas II. aus dem Jahr 1211, erreichte Hermann von Salza ausgerechnet zu jener Zeit, als dem Orden seitens der ungarischen Krone sehr unsanft bedeutet wurde, dass er in Siebenbürgen seine Schuldigkeit getan habe und nun gehen könne.
Auf Grund dieser Erfahrungen erklärte sich der Orden erst nach Drängen von Kaiser und Papst zum Eingreifen bereit. Um eine Wiederholung der ungarischen Vorgänge auszuschließen, ließ sich der Hochmeister von Friedrich II. 1226 die Goldbulle von Rimini ausfertigen, eine Urkunde, die dem Orden auf alle Zeiten den Besitz des Kulmerlandes und aller eventuellen weiteren Eroberungen garantierte. Man geht davon aus, dass Hermann selbst der Urheber des Textes war. Von Seiten des Papstes erfolgte die Bestätigung der Besitzübertragung acht Jahre später in der Goldbulle von Rieti, in der noch festgelegt wurde, dass der künftige Ordensstaat zum Patrimonium Petri gehören solle, jedoch gegen Zahlung einer jährlichen symbolischen Pachtsumme dem Orden zur Selbstverwaltung überlassen wurde.
Wegen noch bestehender Unstimmigkeiten mit dem masowischen Herzog über den künftigen Status des Kulmerlandes verzögerte sich zunächst das aktive Eingreifen des Ordens. Danach lag das Hauptaugenmerk der Ordensführung auf der Vorbereitung und Durchführung des fünften Kreuzzuges. Jedoch noch im gleichen Jahr wurde der Ordensritter Konrad von Landsberg mit einigen Mitbrüdern an die Weichsel gesandt, wo sie gegenüber dem späteren Thorn die Burg Vogelsang errichteten, sich aber die folgende Zeit auf die Beobachtung der Vorgänge im Land beschränkten. In dieser Zeit konnten sie Gründung und Scheitern des kurzlebigen Ordens von Dobrin verfolgen, einer der verzweifelten Versuche des masowischen Herzogs, seine Herrschaft zu retten.

Beginn der Invasion und erste Erfolge

Nachdem alle Streitigkeiten mit Masowien bezüglich des Kulmerlandes ausgeräumt waren, reiste der neu ernannte Landmeister Hermann Balk mit einigen Ordensrittern und Gefolgsmännern an die Weichsel und errichtete unweit Vogelsang die Burg Nessau, die ihm vorerst als Sitz diente. Hier musste er auf das Eintreffen des neuen Kreuzfahrerheeres warten, für welches im Reich durch den Dominikanerorden geworben wurde.
Diese Zeit nutzte er um im Frühjahr 1231 mit seiner kleinen Truppe über die Weichsel zu gehen, einige kleinere pruzzische Burgen zu nehmen sowie als erste Ordensfestungen in Preußen die Thorn und Kulm zu gründen.

Kampf um die Baumburg

Das nebenstehende Gemälde aus dem 17. Jh. gibt den Inhalt einer Legende wieder, die sich 1231 zugetragen haben soll: Nach seiner Landung am anderen Weichselufer soll Hermann Balk, von Pruzzen bedrängt, im Geäst eines großen Eichbaums sein erstes Feldlager errichtet und verteidigt haben.

Historiker haben aber ermittelt, dass die Ordensritter bei einem Dorf namens Querczu über die Weichsel gingen und im Laufe der Zeit der Ortsname lateinisch umgedeutet wurde (lat.quercus = Eiche).

 

Nach dem Eintreffen der Kreuzfahrer aus Deutschland und Polen 1232 konnten die Ordensritter daran gehen, rasch ihre Herrschaft auf das ganze Kulmerland auszudehnen und mit dem Landesausbau zu beginnen. Die Ordensleitung hatte frühzeitig erkannt, dass sie ihrer Aufgabe ohne sicheres Hinterland und ohne loyale Bevölkerung auf Dauer nicht würde gewachsen sein. Deshalb ließ sie in Deutschland parallel zum Kreuzzugsaufruf auch auswanderungswillige Bürger und Bauern anwerben und gewährte den Neubürgern zahlreiche Vergünstigungen.
So entstanden im Schutz der Ordensburgen bald erste Dörfer und Städte. Juristische Grundlage für Stadtgründungen im Ordensland war die Kulmer Handfeste.

- 1242-49 vom 1.Pruzzenaufstand bis zum Frieden von Christburg

- 1260-83 vom 2. Pruzzenaufstand bis zur völligen Unterwerfung Preußens