Glossar

1. Thorner Frieden Friedensschluss zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen auf einer Weichselinsel bei Thorn am 01.02.1411:
Rückgabe des Dobriner Landes an Polen und Schamaitens an Litauen (für die Lebenszeit Großfürst Witolds); Zahlung von 100 000 Schock böhmischen Groschen an den polnischen König.
Der Friedensvertrag ließ das Ordensgebiet zwar im Wesentlichen unangetastet, fügte dem Ordensstaat aber auf Grund der exorbitanten Reparationssumme schweren und dauerhaften Schaden zu.
2. Thorner Frieden Friedensschluss zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen am Ende des "Dreizehnjährigen Krieges" in Thorn am 19.10.1466:
Der Orden verliert Pommerellen, das Kulmerland, Teile Pomesaniens mit Marienbug und Elbing an Polen. Das Bistum Ermland wird weitgehend selbständig unter lockerer Oberhoheit des polnischen Königs. Der Orden muss an Polen 5,7 Millionen ungarische Gulden Reparationen zahlen. Der verbleibende Ordensstaat wird aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches gelöst und ist dem polnischen Staat zur Heerfolge verpflichtet; außerdem wird der Hochmeister verpflichtet, dem Könige von Polen einen Treueid zu leisten. Des Weiteren sollen in Zukunft auch Polen in den Deutschen Orden aufgenommen werden und auch höhere Ämter bekleiden können.
Der 2. Thorner Frieden markiert das Ende des Ordensstaates als weitgehend selbständiger Großmacht.
Backsteingotik Stilbezeichnung für die aus Ziegeln erbauten Bauwerke der Gotik im 14. und 15. Jh. Hauptsächliche Verbreitungsgebiete:
Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, Ordensländer Preußen und Livland sowie Skandinavien.
Hauptträger ihrer Verbreitung:Hanse, Zisterzienser, Deutscher Orden
Merkmale: geschlossene Mauern, Stern- und Netzgewölbe.
Wichtigste Bauwerke: Marienburg in Westpreußen, Schweriner Dom, Zisterzienserkirche Bad Doberan, Marien- und Katharinenkirche in Lübeck, Marienkirchen in Danzig, Frankfurt/O und Greifswald.
Ballei (v. frz. "baillie"=mittelalterliche Provinz in Nordfrankreich)
aus mehreren Kommenden zusammengesetzte Ordensprovinz mit einem Landkomtur an der Spitze.
Deutschmeister "Meister bzw. Gebietiger zu deutschen und welschen Landen"
Kurzform für den Landmeister über die Balleien im Heiligen Römischen Reich und im Mittelmeerraum. Der Deutschmeister war nach dem Hochmeister de facto der einflussreichste Gebietiger im Deutschen Orden, weil ihm die ressourcenreichsten Ordensbesitzungen und praktisch die einzigen Quellen für den personellen Nachwuchs des Ordens unterstanden. Dies führte insbesondere während der Krise des 15. Jh. zu schwerwiegenden Differenzen und Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der Ordensführung.
Dreizehnjähr. Krieg 1454-1466 geführte bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Orden und ihn unterstützenden unteren Volksschichten einerseits und dem Preußischen Bund und Polen--Litauen andererseits.
Trotz erfolgreichen Beginnes für den Orden in der Schlacht bei Konitz zog sich der Krieg durch den anhaltenden Widerstand der reichen Hansestädte hin und entwickelte sich zu einem für das Land zerstörerischen Ermattungs- und Abnutzungskrieg. Nach der Niederlage bei Zarnowitz 1465 war der Orden mit seinen Mitteln zur Abwehr am Ende und musste 1466 den 2. Thorner Frieden schließen.
Gebietiger ranghöchste Ordensbeamte nach dem Hochmeister (Großkomtur, Ordensmarschall, oberster Spittler, oberster Tressler, oberster Trappier, Deutschmeister, Landmeister von Livland, Landmeister von Preußen)
Goldbulle von Rimini 1226 verleiht Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden die Herrschaft über das Kulmer Land östlich der unteren Weichsel sowie alle noch zu unterwerfenden Gebiete. Text
Graumäntler ("Andere Brüder, Sariantbrüder") Ritterbrüder des Deutschen Ordens mit Sonderstatus, welche statt des weißen Mantels der Ordensritter einen grauen Mantel trugen sowie eine leichtere Bewaffnung hatten.
Hauskomtur Stellvertreter eines Komturs; vorwiegend mit der Versorgung des Konvents betraut.
Hoch-und Deutschmeister "Meister zu deutschen und welschen Landen, Administrator des Hochmeistertums in Preußen"
Kurzform für das mit dem Amt des Hochmeisters zusammengelgte Amt des Deutschmeisters.
Kammerballei Aus dem Verantwortungsbereich des Deutschmeisters herausgelöste und der hochmeisterlichen Kammer direkt unterstellte Ordensprovinz. (Böhmen-Mähren, Bozen, Elsaß-Burgund, Koblenz)
Kommende Grundeinheit eines Ritterordens, im Idealfalle bestehend aus aus 12 Ritterbrüdern und einem Komtur an der Spitze. Kleinere Kommenden hatten meist einen Pfleger oder einen Vogt als Leiter.
Komtur (v. lat. "Commendator=Befehlshaber) Leiter einer Kommende
Kulmer Handfeste  
Landkomtur Vorsteher einer Ordensprovinz bzw. Ballei
Landmeister Höchster Ordensgebietiger in einem großen abgeschlossenen Territorium
Ordensburg ("Ordenshaus" im Sprachgebrauch des Ordens) die für die Bautätigkeit des Deutschen Ordens im Ordensland Preußen u. in den baltischen Gebieten typische Form der Burg; meist dreigeschossige Backsteinbauten, bestehend aus 4 um einen Hof auf quadrat- oder rechteckigem Grundriss angeordneten Flügeln. Die Haupträume lagen gewöhnlich nicht im Erdgeschoss, sondern in einem der Obergeschosse. Kapelle, Kapitelsaal, Remter u. Dormitorium wurden bes. reich ausgestattet; die Außenmauern mit oberen Wehrgängen trugen häufig Ecktürme. Die erste Deutschordensburg wurde 1230 in Nessau gegründet; um 1300 gab es bereits 23 Deutschordensburgen, die Gesamtzahl betrug mehr als 200. Architektonisches Hauptwerk der Deutschordenskunst ist die Marienburg.
Preußischer Bund ("Bund vor Gewalt") Am 14.03.1440 in Marienwerder aus Abgeordneten des kulmischen Adels und von 19 preußischen Städten gebildete Interessensvertretung gegenüber der Ordensherrschaft.
1441 zunächst gegen den Willen des Hochmeisters von Kaiser Friedrich III. anerkannt, wurde der Bund nach jahrelangen schweren Auseinandersetzungen mit dem Orden am 01.12.1453 durch Spruch des kaiserlichen Kammergerichts in Wien für illegal erklärt.
Dies nicht anerkennend kündigte der Bund dem Hochmeister den Gehorsam und erklärte dem Orden am 04.02.1454 den Krieg. Am 06.03.1454 unterwarf er sich samt den ihm angehörenden Territorien der Oberherrschaft des polnischen Königs, der dieses westpreußische Gebiet im 2. Thorner Frieden 1466 als "Preußen königlichen Anteils" seinem Reich einverleibte.
Schlacht bei Konitz 18.09.1454 Sieg des Ordensheeres unter Heinrich Reuß von Plauen über ein mehr als doppelt so großes polnisches Heer unter Kasimir IV.
Nachdem Reuß mit seiner 500 Mann starken Truppe im Frühjahr 1454 Schloss und Stadt Konitz für den Orden zurückgewonnen hatte, wurde er seitdem dort von polnischen und böhmischen Truppen belagert. Um den anhaltenden Widerstand zu brechen erschien im September der polnische König mit einem 16000 Mann starken Heere vor der Stadt. Am 18. September erschien unerwartet eine Truppe von knapp 7000 Söldnern und Bündnispartnern des Ordens vor Konitz und stellte sich den Polen entgegen. Zeitgleich brach Heinrich Reuß mit seinen 500 Rittern aus der Stadt hervor und fiel den Polen in die Flanke. Im Gefolge des nun hereinbrechenden Chaos wurde das polnische Heer völlig aufgerieben; der König selbst entging mit einigen Getreuen nur mit knapper Not der Gefangennahme. Danach warfen sich die Ordenstruppen auf die Belagerer von Konitz und vertrieben sie.
Im Gefolge der Schlacht unterwarfen sich die meisten der mittleren und kleineren Städte des Preußischen Bundes wieder dem Orden. Polen schied für die nächsten zehn Jahre faktisch aus dem Dreizehnjährigen Krieg aus.
Skapulier (v. lat. "scapulae = Schultern, Rücken")
über Brust und Rücken geworfener, bis zu den Füßen reichender körperbreiter Tuchstreifen, der in einigen christlichen Gemeinschaften Teil der Ordenstracht ist.
Wendenkreuzzug parallel und alternativ zum 2. Kreuzzug von Fürsten des welfischen Machtbereichs (u. a. Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, Konrad von Meißen)im Jahre 1147 unternommener Kriegszug zur Unterwerfung der Elbslawen. Trotz grausamer Vorgehensweise (Motto war:"Taufe oder Tod") blieb der Wendenkreuzzug im Wesentlichen erfolglos, markiert aber den Beginn der deutschen Ostsiedlung.